196
Philosophen und des Künstlers. Er thut dasselbe, wasjeder in physiologischen persönlichen Antrieben thut,übertragen auf eine unpersönliche Welt.
Dieses Bilderdenken ist nicht von vornherein strenglogischer Natur, aber doch mehr oder weniger logisch.Der Philosoph bemüht sich dann, an Stelle des Bilder-denkens ein Begriffsdenken zu setzen. Die Instinctescheinen auch ein solches Bilderdenken zu sein, das zu-letzt zum Reiz und Motiv wird.
10.
Vielleicht kann der Mensch nichts vergessen. DieOperation des Sehens und Erkennens ist viel zu compli-cirt, als dass es möglich wäre, sie völlig wieder zu ver-wischen, das heisst: alle Formen, die einmal vom Gehirnund Nervensystem erzeugt sind, wiederholt es von jetztab so oft. Eine gleiche Nerventhätigkeit erzeugt dasgleiche Bild wieder.
11.
Der Mensch trägt das Gedächtniss aller vorigenGenerationen mit sich herum. Das Gedächtnissbild istetwas sehr Künstliches und Seltenes.
12.
Die Individuen sind die Brücken, auf denen das Werdenberuht. Alle Qualitäten sind ursprünglich nur einmaligeActionen, dann in gleichen Fällen öfter wiederholte,endlich Gewohnheiten. An jeder Action hat das ganzeWesen des Individuums Theil, und einer Gewohnheit ent-spricht eine specifische Umbildung des Individuums. Ineinem Individuum ist bis in die kleinste Zelle hinein allesindividuell, das heisst: hat Theil an allen Erfahrungen undVergangenheiten. Daher die Möglichkeit der Zeugung.