i93
\
immer zusammen: dass das eine die Ursache des andernist, ist eine Metapher, entlehnt aus Wille und That:ein Analogieschluss. Die einzige Causalität, die uns bewusstist, ist zwischen Wollen und Thun — diese übertragen wirauf alle Dinge' und deuten uns das Verhältniss von zweiimmer beisammen befindlichen Veränderungen. Die Ab-sicht oder das Wollen ergiebt die Nomina, das Thun dieV erba.
Das erste ist die Handlung, diese verknüpfen wirmit einer Eigenschaft: wir nehmen Eigenschaften an, weilwir Handlungen bestimmter Art sehen. Zuerst entsteht dasWort für die Handlung, von da das Wort für die Qualität.Dies Verhältniss übertragen auf alle Dinge ist Causalität.
Ein Urphänomen ist: den im Auge empfundenenReiz auf das Auge zu beziehn, das heisst: eine Sinnes-erregung auf den Sinn zu beziehn. An sich gegeben ist janur ein Reiz : diesen als Action des Auges zu empfindenund ihn „sehen“ zu nennen ist ein Causalitätsschluss.Einen Reiz als eine Thätigkeit zu empfinden,etwas Passives activ zu empfinden ist die erste Causali-tätsempfindung, das heisst: die erste Empfindung bringtbereits diese Causalitätsempfindung hervor. Der innereZusammenhang von Sinnes-Reiz und -Thätigkeit über-tragen auf alle Dinge ist Causalität. An unsern Sinnes-functionen deuten wir uns die Welt, das heisst: wirsetzen überall eine Causalität voraus, weil wir selbstsolche Veränderungen fortwährend erleben.
6 .
Das eigentliche Material alles Erkennens sind dieallerzartesten Lust- und Unlustempfindungen: auf jenerFläche, in die die Nerventhätigkeit in Lust und SchmerzFormen hinzeichnet, ist das eigentliche Geheimniss: das
Nietzsche, Werke (II. Abtheilung) Band X. 13