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decorative Cultur vom geschwächten Christenthum alsBundesgenosse acceptirt, mit Gewalt verbreitet unteruncivilisirten Völkern — das ist die Geschichte derabendländischen Cultur. Das Kunststück ist geleistet, unddas Griechische und das Pfäffische zusammengebrachtIch will Schopenhauer, Wagner und das ältereGriechenthum zusammenrechnen: es giebt einen Blickauf eine herrliche Cultur.
Die Menschen sind witziger geworden während desMittelalters; das Rechnen nach zwei Maassen, die Spitz-findigkeit des Gewissens, die Auslegung der Schrift sinddie Mittel gewesen. Diese Art Schärfung des Geistesdurch den Druck einer Hierarchie und Theologie fehltedem Alterthum. Vielmehr sind die Griechen umgekehrtunter der grossen Freiheit des Gedankens vielgläubischund flach gewesen, man fieng nach Belieben an und hörtenach Belieben auf, etwas zu glauben. Dafür fehlt ihnendie Lust am verdrehten Scharfsinn, und damit die be-liebteste Art Witz aus der neueren Zeit. Die Griechenwaren wenig witzig; darum hat man solches Aufsehenvon der Ironie des Sokrates gemacht. Ich finde Platodarin oft etwas täppisch.
Die Griechen waren mit Empedokles und Demokritauf dem besten Weg, die menschliche Existenz, ihre Un-vernunft, ihr Leiden richtig zu taxiren; dazu sindsie nie gelangt, dank Sokrates. Der unbefangeneBlick auf die Menschen fehlt allen Sokratikern, die greu-liche Abstracta „das Gute, das Gerechte“ im Kopf haben.Man lese Schopenhauer und frage sich, warum es denAlten an einem solchen Tief- und Freiblick gefehlt hat— haben müsste? Das sehe ich nicht ein, im Gegen-