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Die geistige Herrschaft Athens war die Ver-hinderung jener Reformation. Man muss sich ein-mal dahinein denken, wo diese Herrschaft noch gar nichtda war: nothwendig war sie nicht, sie wurde es erst inFolge der Perserkriege, das heisst erst, nachdem es diephysische politische Macht zeigte. Milet war zum Beispielviel begabter, Agrigent auch.
Der Tyrann, der thun kann, was er Lust hat, dasheisst: der Grieche, der durch keine Gewalt in Schrankengehalten wird,-ist ein ganz maassloses Wesen, „er stürztdie Gebräuche des Vaterlands um, thut den Weibern Ge-walt an und tödtet Menschen nach Willkür“. Ebensozügellos ist der tyrannische Freigeist, vor dem die Grie-chen ebenfalls Angst haben. Königshass: Zeichen derdemokratischen Gesinnung. Ich glaube, die Reformationwäre möglich gewesen, wenn ein Tyrann ein Empedoklesgewesen wäre. Plato sprach mit seiner Forderung desPhilosophen auf dem Throne einen ehemals möglichenGedanken aus: er fand den Einfall, nachdem die Zeit,ihn zu verwirklichen, vorüber war. Periander?
Ohne den Tyrannen Pisistratus hätten die Athenerkeine Tragödie gehabt: denn Solon war dagegen, aberdie Lust daran war einmal geweckt. Was wollte Pisi-stratus mit diesen grossen Trauer-Erregungen?
Solon’s Abneigung gegen die Tragödie: man denkean die Beschränkungen der Trauerfestlichkeiten bei Todes-fällen, das Verbieten der Threnoi. Bei den milesischenFrauen wird die „rasende Trauer“ erwähnt. Nach derAnekdote ist es die Verstellung, welche Solon miss-fällt; das unkünstlerische Naturell des Atheners zeigtsich. Kleisthenes, Periander und Pisistratus die Beför-derer der Tragödie als einer Volkslustbarkeit, der Lustan der „rasenden Trauer“. Solon will Mässigung.