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Über die Sophisten hat Grote aufgeklärt. Nach den ge-wöhnlichen Begriffen sind sie eine Secte: nach ihm eineClasse, ein Stand. Nach der gewöhnlichen Ansicht ver-breiteten sie demoralisirende Lehren, „sophistische Grund-sätze“. Nach Grote waren sie die regelmässigen Sitten-lehrer, weder über noch unter dem Niveau der Zeit.Nach der gewöhnlichen Ansicht waren Plato und seineNachfolger die autorisirten Lehrer, die etablirte Kleriseider griechischen Nation, — und die Sophisten die Anders-denkenden. Nach Grote waren die Sophisten der Klerusund Plato der Andersdenkende: der Socialist, welcher dieSophisten angriff (wie er die Dichter und Staatsmännerangriff), nicht als eine besondere Secte, sondern als einender bestehenden Stände der Gesellschaft. Für die un-gebildete Masse fiel Sokrates mit den Sophisten zusammen:die ganz naive Sitte brauchte überhaupt keinen Lehrer,für diese war der höhere Lehrer anstössig; da reichte dieTragödie und die Komödie aus. Das ist der Standpunktdes Aristophanes. Er entwirft in Sokrates das Bild desAufklärers: Züge der Sophisten und des Anaxagoras sindauf ihn übertragen. Aber sie unterscheiden sich dadurch,dass die Sophisten vollkommen den Bedürfnissen ent-sprechen, dass sie leisten, was sie versprechen; dagegenkonnte niemand sagen, warum Sokrates lehre, er selbstausgenommen. Wohin er kam, da erzeugte er das Ge-fühl von Unwissenheit, er erbitterte die Menschen undmachte sie nach dem Wissen gierig. Man fühlte etwaswie von der Berührung eines Zitteraals. Er bereiteteigentlich nur die Belehrung vor, indem er das Zeitaltervon seinem Nichtwissen zu überführen sucht. Der ganzeStrom des Wissens wird auf diese von ihm gebohrteBahn gelenkt: die von ihn aufgeworfene Kluft verschlingtalle die von den älteren Philosophen her kommenden
Nietzsche, Werke (II. Abtheilung) Band N.
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