an Politikern und Rednern, dann an Dichtern undKünstlern. Sodann merkt er, dass sie, wegen ihrerDichtungen, glauben, auch in andrer Beziehung zu denweisesten Menschen zu gehören. Nun geht er zu denHandwerkern: mit mehr Befriedigung. Diese wissen mehrals er und sind weiser als er. Nur leiden sie auch amHauptirrthume: weil jeder in seinem Geschäfte gut unter-richtet ist, glaubt er auch in andrer Beziehung weise zusein. Dieser Irrthum wog ihre Fähigkeiten bei weitemauf. :— So kommt er zu dem Glauben, Apollo habe sagenwollen: menschliche Weisheit ist von geringem Belange;der welcher von seiner Werthlosigkeit in Bezug aufWeisheit überzeugt ist, ist wirklich der weiseste. In Folgedavon lebt er in grosser Armuth, überall verhasst. Biszum Tode will er dabei verharren, sein Amt der Philo-sophie und der Prüfung zu erfüllen, „euer Warner zu sein,wie eine Bremse euch auf dem Nacken zu sitzen. Wennihr mich verdammt, werdet ihr es erleiden. Stillschweigenvon meiner Seite wäre Ungehorsam gegen den Gott“.Das grösste Glück, das sich einem Mann ereignen kann,ist, jeden Tag Erörterungen über Tugend und anderes zumachen — Leben ohne solche Untersuchungen ist garkein Leben. Er fühlt, wie unglaublich und seltsam dasalles klingt. — Das Erkennen als der Weg zur Tugend;aber nicht als Gelehrter, sondern wie ein überführenderGott, herumgehend und prüfend. Das Suchen nach Weis-heit erscheint in der Form des Suchens nach den Weisen:es ist Historie damit verknüpft, während die heraklitischeWeisheit selbstgenugsam war und alle Plistorie verachtete.Der Glaube an ein angebliches Wissen erscheint als dasSchlimmste.
Hier verstehn wir nun auch die Polemik gegen dieSophisten: das war eine kühne Stellung eines Einzelnen.