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war nur die in Formeln gebrachte, überall in Griechen-land geachtete und lebendige praktische Moral. Jetzttritt die Lösung von den moralischen Instincten ein: helleErkenntniss soll das einzige Verdienst sein, aber mit derhellen Erkenntniss hat der Mensch auch die Tugend.Denn das ist der eigentliche sokratische Glaube, dassErkennen und Sittlichsein zusammenfallen. Nun ist dieUmkehrung dieses Satzes im höchsten Grade umwälzend:überall wo nicht helles Erkennen ist, ist das Böse.
Hier wird Sokrates zum Kritiker seiner Zeit: eruntersucht, wie weit sie aus dunkeln Antrieben, wie weitsie aus Erkenntniss handelt. Dabei ergiebt sich dasdemokratische Resultat, dass die niedrigsten Handwerkerhöher stehen als die Staatsmänner, Redner, Künstlerseiner Zeit. Man nehme einen Zimmermann, Kupfer-schmied, Steuermann, Wundarzt und prüfe seine Fach-kenntnisse: er kann die Personen angeben, von denen,die Mittel, durch die er sie erlernte. Darüber dagegen:„was ist Gerechtigkeit? was ist Frömmigkeit? was istGesetz?“ glaubte jedermann eine Meinung zu haben:Sokrates fand aber nur Dünkel und Unwissenheit. So-krates behauptet die Rolle eines Lernenden, aber erüberzeugt seine Mitunterredner von der eignen Unüber-legtheit. Seine nächste Forderung war, eine Definitionaus moralisch-social-politischem Bereiche zu bekommen:sein Verfahren dabei ist dialektisch oder epagogisch. Dieganze Welt des Menschlichen zeigte sich ihm als eineWelt der Unwissenheit: es gab Worte, aber keine festendamit verbundnen Begriffe. Sein Bestreben war, diese Weltzu ordnen: in der Meinung, dass wenn sie geordnet sei,der Mensch nicht anders könne als tugendhaft zu leben.Eine moralische Güterlehre ist das Ziel aller seiner Schulen,dass heisst eine Art Arithmetik und Messkunst in der