Materialismus als solidestes Fundament gilt, ist doch nurein höchst mittelbar Gegebnes, höchst relativ Vor-handenes: ist durchgegangen durch die Maschinerie desGehirns und eingegangen in die Formen: Zeit, Raumund Causalität, vermöge deren es sich darstellt als aus-gedehnt im Raume und wirkend in der Zeit. Aus einemsolchermassen Gegebenen will nun der Materialismus daseinzig unmittelbar Gegebene, die Vorstellung, ableiten.Es ist eine ungeheure petitio principü: plötzlich zeigtsich das letzte Glied als der Ausgangspunkt, an demschon das erste Glied der Kette hieng. Man hat deshalbden Materialisten mit dem Freiherrn von Münchhausenverglichen, der zu Pferde im Wasser schwimmend, mitden Beinen das Pferd, sich selbst aber an seinem nachvorn überhängenden Zopfe in die Höhe zieht. Die Ab-surdität besteht darin, dass er vom Objectiven ausgeht:während in Wahrheit alles Objective durch das erkennendeSubject in mannichfacher Weise bedingt ist, mithin ganzverschwindet, wenn man das Subject wegdenkt. Dagegenist der Materialismus eine werthvolle Hypothese vonrelativer Wahrheit, auch nachdem das nçàtov ipsvôoç ent-deckt ist: eine erleichternde Vorstellung für die Natur-wissenschaft: deren Resultate behalten dann alle füruns noch Wahrheit, wenngleich keine absolute. Es isteben unsere Welt, an deren Production wir immerthätig sind.
Druckschrift
10 : Abth. 2, [Nachgelassene Werke] ; Bd. 2 (1896) Schriften und Entwürfe 1872 bis 1876 : Die Philosophie im tragischen Zeitalter der Griechen; Über Wahrheit und Lüge im aussermoralischen Sinne; Der Philosoph; Die Philosophie in Bedrängniss; Nachträge und Vorarbeiten zu den Unzeitgemässen Betrachtungen; Prometheus; Einzelne Gedanken und Entwürfe
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114
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