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10 : Abth. 2, [Nachgelassene Werke] ; Bd. 2 (1896) Schriften und Entwürfe 1872 bis 1876 : Die Philosophie im tragischen Zeitalter der Griechen; Über Wahrheit und Lüge im aussermoralischen Sinne; Der Philosoph; Die Philosophie in Bedrängniss; Nachträge und Vorarbeiten zu den Unzeitgemässen Betrachtungen; Prometheus; Einzelne Gedanken und Entwürfe
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wundersamste und zweckmässigste That des Nous jenekreisförmige Urbewegung sein musste, da damals derGeist noch ungetheilt in sich zusammen war, so erschienwohl die Wirkung der perikleischen Rede dem horchen-den Anaxagoras oftmals als ein Gleichnissbild jener kreis-förmigen Urbewegung; denn auch hier spürte er zuersteinen mit furchtbarer Kraft, aber geordnet sich bewe-genden Gedankenwirbel, der in concentrischen Kreisendie Nächsten und die Fernsten allmählich erfasste undfortriss und der, wenn er sein Ende erreichte, das ge-sammte Volk ordnend und scheidend umgestaltet hatte.

Den späteren Philosophen des Alterthums war dieArt, wie Anaxagoras von seinem Nous zur Erklärungder Welt Gebrauch machte, wunderlich, ja kaum ver-zeihlich; es erschien ihnen, als ob er ein herrliches Werk-zeug gefunden, aber nicht recht verstanden habe, undsie suchten nachzuholen, was vom Finder versäumt war.Sie erkannten also nicht, welchen Sinn die vom reinstenGeiste naturwissenschaftlicher Methode eingegebne Ent-sagung des Anaxagoras hatte, die sich in jedem Falleund vor allem die Frage stellt, wodurch etwas ist(causa efficiens) und nicht, weshalb etwas ist (causafinalis). Der Nous ist von Anaxagoras nur zur Beant-wortung der speciellen Fragewodurch giebt es Bewe-gung und wodurch giebt es regelmässige Bewegungen?herbeigezogen worden; Plato aber wirft ihm vor, er habezeigen müssen, aber nicht gezeigt, dass jedes Ding inseiner Weise und an seinem Orte sich am schönsten,besten und zweckmässigsten befinde. Dies hätte aberAnaxagoras in keinem einzelnen Falle zu behaupten ge-wagt, für ihn war die vorhandene Welt nicht einmaldie denkbar vollkommenste, denn er sah jedes Ding ausjedem entstehen und fand die Scheidung der Substanzen