6g
das „Roth an sich“ auf andre Substanzen, nicht mit demRothen, sondern mit dem, was nicht roth, nicht gefärbt,überhaupt nicht qualitativ bestimmt ist. Wäre das Rothals Roth streng genommen worden, als die eigentlicheSubstanz selbst, also ohne jenes Substrat, so würdeAnaxagoras gewiss nicht gewagt haben, von einer Wir-kung des Roth auf andre Substanzen zu reden, etwagar mit der Wendung, dass das „Roth an sich“ die vom„Fleischigen an sich“ empfangene Bewegung durch Stossweiterpflanze. Dann würde es klar sein, dass ein solcheswahrhaft Seiendes nie bewegt werden könnte.
1 5 -
Man muss auf die Gegner der Eleaten blicken, umdie ausserordentlichen Vorzüge in der Annahme desParmenides zu würdigen. Welche Verlegenheiten —denen Parmenides entgangen war — erwarteten Anaxa-goras und alle, welche an eine Vielheit der Substanzenglaubten, bei der Frage: „wie viel Substanzen?“ Anaxa-goras machte den Sprung, schloss die Augen und sagte:„unendlich viele“: so war er wenigstens über den un-glaublich mühseligen Nachweis einer bestimmten Anzahlvon Elementarstoffen hinausgeflogen. Da diese unendlichVielen, ohne Zuwachs und unverändert, seit Ewigkeitenexistiren müssten, so war in jener Annahme der Wider-spruch einer abgeschlossen und vollendet' zu denkendenUnendlichkeit gegeben. Kurz, die Vielheit, die Bewe-gung, die Unendlichkeit, von Parmenides durch denstaunenswürdigen Satz vom einen Sein in die Fluchtgeschlagen, kehrten aus der Verbannung zurück undwarfen auf die Gegner des Parmenides ihre Geschosse,um mit ihnen Wunden zu verursachen, für die es keine