Druckschrift 
10 : Abth. 2, [Nachgelassene Werke] ; Bd. 2 (1896) Schriften und Entwürfe 1872 bis 1876 : Die Philosophie im tragischen Zeitalter der Griechen; Über Wahrheit und Lüge im aussermoralischen Sinne; Der Philosoph; Die Philosophie in Bedrängniss; Nachträge und Vorarbeiten zu den Unzeitgemässen Betrachtungen; Prometheus; Einzelne Gedanken und Entwürfe
Entstehung
Seite
60
Einzelbild herunterladen
 

6o

es giebt in dieser sogenannten, doch nur angeblichenWirklichkeit weder Zeit, noch Raum, noch Bewegung.Zuletzt ist der Pfeil selbst eine Täuschung: denn erstammt aus der Vielheit, aus der durch die Sinneerzeugten Phantasmagorie des Nicht-Einen. Angenommen,der Pfeil hätte ein Sein, dann wäre er unbeweglich, zeit-los, ungeworden, starr und ewig eine unmöglicheVorstellung! Angenommen, die Bewegung wäre wahr-haft real, so gäbe es keine Ruhe, also keine Lage fürden Pfeil, also keinen Raum eine unmögliche Vor-stellung! Angenommen, dass die Zeit real sei, so könntesie nicht unendlich theilbar sein; die Zeit, die der Pfeilbrauchte, müsste aus einer begrenzten Anzahl von Zeit-momenten bestehen, jeder dieser Momente müsste einAtomon sein eine unmögliche Vorstellung! Alle unsreVorstellungen, sobald ihr empirisch gegebner, aus dieseranschaulichen Welt geschöpfter Inhalt als veritas aeternagenommen wird, führen auf Widersprüche. Giebt esabsolute Bewegung, so giebt es keinen Raum; giebt esabsoluten Raum, so giebt es keine Bewegung; giebt esein absolutes Sein, so giebt es keine Vielheit; giebt eseine absolute Vielheit, so giebt es keine Einheit. Dasollte einem doch klar werden, wie wenig wir mit solchenBegriffen das Herz der Dinge berühren oder den Knotender Realität auf knüpfen: während Parmenides und Zenoumgekehrt an der Wahrheit und Allgültigkeit der Be-griffe festhalten und die anschauliche Welt als das Gegen-stück der wahren und allgültigen Begriffe, als eineObjectivation des Unlogischen und Widerspruchsvollenverwerfen. Sie gehen bei allen ihren Beweisen von dergänzlich unbeweisbaren, ja unwahrscheinlichen Voraus-setzung aus, dass wir in jenem Begriffsvermögen dasentscheidende höchste Kriterium über Sein und Nicht-