52
Verbrechens zeiht, umleuchtet ihn mit der Glorie einerEntdeckung, er hat ein Princip, den Schlüssel zumWeltgeheimniss, abseits von allem Menschenwahne, ge-funden, er steigt jetzt, an der festen und furchtbarenHand der tautologischen- Wahrheit über das Sein hinabin den Abgrund der Dinge.
Auf dem Wege dahin begegnet er Heraklit — einunglückliches Zusammentreffen ! Ihm, dem an der strengstenScheidung von Sein und Nichtsein alles gelegen war,musste gerade jetzt das Antinomien-Spiel Heraklit’s tiefverhasst sein; ein Satz wie der: „wir sind und sind zu-gleich nicht“, „Sein und Nichtsein ist zugleich dasselbeund wieder nicht dasselbe“, ein Satz, durch den allesdas wieder trübe und unentwirrbar wurde, was er ebenaufgehellt und entwirrt hatte, reizte ihn zur Wuth:„Weg mit den Menschen, schrie er, die zwei Köpfe zuhaben scheinen und doch nichts wissen! Ist doch beiihnen alles im Fluss, auch ihr Denken! Sie staunendumpf die Dinge an, müssen aber sowohl taub als blindsein, um so die Gegensätze durcheinander zu mischen!“Der Unverstand der Masse, durch spielerische Antinomienglorifient und als Spitze aller Erkenntniss gepriesen,war ihm ein schmerzliches und unbegreifliches Erlebniss.
Nun tauchte er in das kalte Bad seiner furchtbarenAbstractionen. Das, was wahrhaft ist, muss in ewigerGegenwart sein, von ihm kann nicht gesagt werden „eswar“, „es wird sein“. Das Seiende kann nicht gewordensein: denn woraus hätte es werden können? Aus demNichtseienden? Aber das ist nicht und kann nichtshervorbringen. Aus dem Seienden? Dies würde nichtsanderes als sich selbst erzeugen. Ebenso steht esmit dem Vergehn; es ist ebenso unmöglich, wie dasWerden, wie jede Veränderung, wie jeder Zuwachs, jede