4i
Stolz. Sein Wirken weist ihn nie auf ein „Publicum“,auf den Beifall der Massen und den zujauchzendenChorus der Zeitgenossen hin. Einsam die Strasse zuziehn gehört zum Wesen des Philosophen. Seine Be-gabung ist die seltenste, in einem gewissen Sinne un-natürlichste, dabei selbst gegen die gleichartigen Bega-bungen ausschliessend und feindselig. Die Mauer seinerSelbstgenügsamkeit muss von Diamant sein, wenn sienicht zerstört und zerbrochen werden soll, denn allesist gegen ihn in Bewegung. Seine Reise zur Unsterblich-keit ist beschwerlicher und behinderter als jede andre;und doch kann niemand sicherer glauben als geradeder Philosoph, auf ihr zum Ziele zu kommen — weil ergar nicht weiss, wo er stehen soll, wenn nicht auf denweit ausgebreiteten Fittigen aller Zeiten; denn die Nicht-achtung des Gegenwärtigen und Augenblicklichen liegtim Wesen der grossen philosophischen Natur. Er hatdie Wahrheit: mag das Rad der Zeit rollen, wohin eswill, nie wird es der Wahrheit entfliehn können. Esist wichtig, von solchen Menschen zu erfahren, dass sieeinmal gelebt haben. Nie würde man sich zum Beispielden Stolz des Heraklit, als eine müssige Möglichkeit,imaginiren können. An sich scheint jedes Streben nachErkenntniss, seinem Wesen nach, ewig unbefriedigt undunbefriedigend. Deshalb wird niemand, wenn er nichtdurch die Historie belehrt ist, an eine so königlicheSelbstachtung und Überzeugtheit, der einzige beglückteFreier der Wahrheit zu sein, glauben mögen. SolcheMenschen leben in ihrem eignen Sonnensystem; darinmuss man sie aufsuchen. Auch ein Pythagoras, einEmpedokles behandelten sich selbst mit einer über-menschlichen Schätzung, ja mit fast religiöser Scheu;aber das Band des Mitleidens, an die grosse Über-