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er wird also das, was man das Kalte nennt, nur alsGrad des Warmen gedeutet haben und konnte dieseDeutung ohne Schwierigkeiten rechtfertigen. Viel wich-tiger aber als diese Abweichung von der Lehre Anaxi-mander’s ist eine weitere Übereinstimmung: er glaubtwie jener an einen periodisch sich wiederholenden Welt-untergang und an ein immer erneutes Hervorsteigeneiner anderen Welt aus dem alles vernichtenden Welt-brande. Die Periode, in der die Welt jenem Weltbrandeund der Auflösung in das reine Feuer entgegeneilt, wirdvon ihm höchst auffallender Weise als ein Begehrenund Bedürfen charakterisirt, das volle Verschlungen-sein im Feuer als die Sattheit; und es bleibt uns dieFrage übrig, wie er den neuen erwachenden Trieb derWeltbildung, das Sich-Ausgiessen in die Formen derVielheit, verstanden und benannt hat. Das griechischeSprüchwort scheint uns mit dem Gedanken zu Hülfe zukommen, dass „Sattheit den Frevel (die Hybris) gebiert“;und in der That kann man sich einen Augenblick fragen,ob Heraklit vielleicht jene Rückkehr zur Vielheit ausder Hybris hergeleitet hat. Man nehme diesen Gedankeneinmal ernst: in seiner Beleuchtung verwandelt sich, vorunseren Blicken, das Gesicht Heraklit’s, das stolze Leuchtenseiner Augen erlischt, es scheint dass wir wissen, warumdas spätere Alterthum ihn den „weinenden Philosophen“nannte. Ist jetzt nicht der ganze Weltprocess ein Be-strafungsact der Hybris? Die Vielheit das Resultat einesFrevels? Die Verwandlung des Reinen in das UnreineFolge der Ungerechtigkeit? Wird jetzt nicht die Schuldin den Kern der Dinge verlegt, und somit zwar dieWelt des Werdens und der Individuen von ihr entlastet,aber zugleich ihre Folgen zu tragen immer von neuemwieder verurtheilt?