beglückten Zuschauers mass, der zahllose Paare im freu-digen Kampfspiele, unter der Obhut strenger Kampf-richter, ringen sieht, überkam ihn eine noch höhereAhnung: er konnte die ringenden Paare und die Richternicht mehr getrennt von einander betrachten, die Richterselbst schienen zu kämpfen, die Kämpfer selbst schienensich zu richten — ja, da er im Grunde nur die ewigwaltende eine Gerechtigkeit wahrnahm, so wagte erauszurufen: „Der Streit des Vielen selbst ist die eineGerechtigkeit! Und überhaupt: das Eine ist das Viele.Denn was sind alle jene Qualitäten dem Wesen nach?Sind sie unsterbliche Götter? Sind sie getrennte, vonAnfang und ohne Ende für sich wirkende Wesen? Undwenn die Welt, die wir sehen, nur Werden und Vergehn,aber kein Beharren kennt, sollten vielleicht gar jeneQualitäten eine anders geartete metaphysische Welt con-stituiren, zwar keine Welt der Einheit, wie sie Anaxi-mander hinter dem flatternden Schleier der Vielheit suchte,aber eine Welt ewiger und wesenhafter Vielheiten?“ —Ist Heraklit, auf einem Umwege, vielleicht doch wiederin die doppelte Weltordnung', so heftig er sie verneinte,hineingerathen, mit einem Olymp zahlreicher unsterblicherGötter und Dämonen — nämlich vieler Realitäten —und mit einer Menschen weit, die nur das Staubgewölkdes olympischen Kampfes und das Aufglänzen göttlicherSpeere — das heisst nur ein Werden — sieht? Anaxi-mander hatte sich gerade vor den bestimmten Qualitätenin den Schooss des metaphysischen „Unbestimmten“ ge-flüchtet; weil diese wurden und vergiengen, hatte erihnen das wahre und kernhafte Dasein abgesprochen ;sollte es jetzt aber nicht scheinen, als ob das Werdennur das Sichtbarwerden eines Kampfes ewiger Qualitätenist? Sollte es nicht auf die eigenthümliche Schwäche
Nietzsche, Werke (II. Abtheilung) Band X. ^