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10 : Abth. 2, [Nachgelassene Werke] ; Bd. 2 (1896) Schriften und Entwürfe 1872 bis 1876 : Die Philosophie im tragischen Zeitalter der Griechen; Über Wahrheit und Lüge im aussermoralischen Sinne; Der Philosoph; Die Philosophie in Bedrängniss; Nachträge und Vorarbeiten zu den Unzeitgemässen Betrachtungen; Prometheus; Einzelne Gedanken und Entwürfe
Entstehung
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Qualität mit sich selbst und scheidet sich in ihre Gegen-sätze: fortwährend streben diese Gegensätze wieder zueinander hin. Das Volk meint zwar, etwas Starres,Fertiges, Beharrendes zu erkennen: in Wahrheit ist injedem Augenblick Licht und Dunkel, Bitter und Süssbei einander und an einander geheftet, wie zwei Ringende,von denen bald der eine bald der andre die Obmachtbekommt. Der Honig ist, nach Heraklit, zugleich bitterund süss, und die Welt selbst ist ein Mischkrug, derbeständig umgerührt werden muss. Aus dem Krieg desEntgegengesetzten entsteht alles Werden: die bestimmtenals andauernd uns erscheinenden Qualitäten drückennur das momentane Übergewicht des einen Kämpfersaus, aber der Krieg ist damit nicht zu Ende, das Ringendauert in Ewigkeit fort. Alles geschieht gemäss diesemStreite, und gerade dieser Streit offenbart die ewigeGerechtigkeit. Es ist eine wundervolle, aus dem reinstenBorne des Hellenischen geschöpfte Vorstellung, welcheden Streit als das fortwährende Walten einer einheit-lichen, strengen, an ewige Gesetze gebundenen Gerechtig-keit betrachtet. Nur ein Grieche war im Stande, dieseVorstellung als Fundament einer Kosmodicee zu finden;es ist die gute Eris Hesiods, zum Weltprincip verklärt,es ist der Wettkampfgedanke der einzelnen Griechenund des griechischen Staates, aus den Gymnasien undPalästren, aus den künstlerischen Agonen, aus dem Ringender politischen Parteien und der Städte mit einander,ins allgemeinste übertragen, so dass jetzt das Räder-werk des Kosmos in ihm sich dreht. Wie jeder Griechekämpft, als ob er allein im Recht sei, und wie ein un-endlich sicheres Mass des richterlichen Urtheils in jedemAugenblick bestimmt, wohin der Sieg sich neigt, soringen die Qualitäten mit einander, nach unverbrüchlichen.