Untergang dieser Eigenschaften, nach einem ungeheurenErfahrungs-Beweis, prophezeien. Nie kann also ein Wesen,das bestimmte Eigenschaften besitzt und aus ihnen be-steht, Ursprung und Princip der Dinge sein; das wahr-haft Seiende, schloss Anaximander, kann keine bestimmtenEigenschaften besitzen, sonst würde es, wie alle andernDinge, entstanden sein und zu Grunde gehn müssen.Damit das Werden nicht aufhört, muss das Urwesen un-bestimmt sein. Die Unsterblichkeit und Ewigkeit desUrwesens liegt nicht in einer Unendlichkeit und Unaus-schöpfbarkeit — wie gemeinhin die Erklärer des Anaxi-mander annehmen —, sondern darin, dass es der bestimmten,zum Untergange führenden Qualitäten bar ist: weshalbes auch seinen Namen, als „das Unbestimmte“ trägt.Das so benannte Urwesen ist über das Werden erhabenund verbürgt eben deshalb die Ewigkeit und den unge-hemmten Verlauf des Werdens. Diese letzte Einheit injenem „Unbestimmten“, der Mutterschooss aller Dinge,kann freilich von dem Menschen nur negativ bezeichnetwerden, als etwas, dem aus der vorhandenen Welt desWerdens kein Prädicat gegeben werden kann, und dürftedeshalb dem kantischen „Ding an sich“ als ebenbürtiggelten.
Wer sich freilich mit anderen darüber herumstreitenkann, was das nun eigentlich für ein Urstoff gewesensei, ob er etwa ein Mittelding zwischen Luft und Wasseroder vielleicht zwischen Luft und Feuer sei, hat unsernPhilosophen gar nicht verstanden : was ebenfalls vonjenen zu sagen ist, die sich ernsthaft fragen, ob Anaxi-mander sich seinen Urstoff als Mischung aller vorhan-denen Stoffe gedacht habe. Vielmehr dorthin müssenwir den Blick richten, wo wir lernen können, dass Anaxi-mander die Frage nach der Herkunft dieser Welt be-