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10 : Abth. 2, [Nachgelassene Werke] ; Bd. 2 (1896) Schriften und Entwürfe 1872 bis 1876 : Die Philosophie im tragischen Zeitalter der Griechen; Über Wahrheit und Lüge im aussermoralischen Sinne; Der Philosoph; Die Philosophie in Bedrängniss; Nachträge und Vorarbeiten zu den Unzeitgemässen Betrachtungen; Prometheus; Einzelne Gedanken und Entwürfe
Entstehung
Seite
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träge zur Lehre vom Leiden der Welt, Anhang verwandterStellen) eine ähnliche Betrachtung ans Herz.Der rechteMassstab zur Beurtheilung eines jeden Menschen ist,dass er eigentlich ein Wesen sei, welches gar nichtexistiren sollte, sondern sein Dasein abbüsst durch viel-gestaltetes Leiden und Tod: was kann man von einemsolchen erwarten? Sind wir denn nicht alle zum Todeverurtheilte Sünder? Wir büssen unsere Geburt erstlichdurch das Leben und zweitens durch das Sterben ab.Wer diese Lehre aus der Physiognomie unseres allge-meinen Menschenlooses herausliest und die schlechteGrundbeschaffenheit eines jeden Menschenlebens schondarin erkennt, dass keines verträgt, aufmerksam und innächster Nähe betrachtet zu werden, obschon unserean die biographische Seuche gewöhnte Zeit anders undstattlicher über die Würde des Menschen zu denkenscheint; wer, wie Schopenhauer, auf denHöhen derindischen Lüfte das heilige Wort von dem moralischenWerthe des Daseins gehört hat, der wird schwer davonabzuhalten sein, eine höchst anthropomorphische Metapherzu machen und jene schwermüthige Lehre aus der Be-schränkung auf das Menschenleben herauszuziehen, undsie auf den allgemeinen Charakter alles Daseins, durchÜbertragung, anzuwenden. Es mag nicht logisch sein,ist aber jedenfalls recht menschlich, und überdies rechtim Stile des früher geschilderten philosophischen Springens,jetzt mit Anaximander alles Werden wie eine strafwürdigeEmancipation vom ewigen Sein anzusehn, als ein Un-recht, das mit dem Untergange zu büssen ist. Alles,was einmal geworden ist, vergeht auch wieder, ob wirnun dabei an das Menschenleben oder an das Wasseroder an Warm und Kalt denken: überall, wo bestimmteEigenschaften wahrzunehmen sind, dürfen wir auch den