seit Plato, ist er im Exil und conspirirt gegen seinVaterland.
Es ist ein wahres Unglück, dass wir so wenig vonjenen älteren philosophischen Meistern übrig haben unddass uns alles Vollständige entzogen ist. Unwillkürlichmessen wir sie, jenes Verlustes wegen, nach falschenMaassen und lassen uns durch die rein zufällige That-sache, dass es Plato und Aristoteles nie an Schätzernund Abschreibern gefehlt hat, zu Ungunsten der Frühereneinnehmen. Manche nehmen eine eigne Vorsehung fürdie Bücher an, ein fatum libellorum; dies müsste aberjedenfalls sehr boshaft sein, wenn es uns Heraklit, daswunderbare Gedicht des Empedokles, die Schriften desDemokrit, den die Alten dem Plato gleichstellen undder jenen an Ingenuität noch überragt, zu entziehn fürgut fand und uns zum Ersatz Stoiker, Epikureer undCicero in die Hand drückt. Wahrscheinlich ist uns dergrossartigste Theil des griechischen Denkens und seinesAusdrucks in Worten verloren gegangen: ein Schicksal,über das sich der nicht wundern wird, der sich derMissgeschicke des Scotus Erigena oder des Pascal er-innert und erwägt, dass selbst in diesem hellen Jahr-hundert die erste Auflage von Schopenhauer’s Welt alsWille und Vorstellung zu Maculatur gemacht werdenmusste. Will jemand für solche Dinge eine eignefatalistische Macht annehmen, so mag er es thun undmit Goethe sprechen: „Über’s Niederträchtige niemandsich beklage; denn es ist das Mächtige, was man dirauch sage“. Es ist in Sonderheit mächtiger als dieMacht der Wahrheit. Die Menschheit bringt so seltenein gutes Buch hervor, in dem mit kühner Freiheit dasSchlachtlied der Wahrheit, das Lied des philosophischenHeroismus angestimmt wird: und doch hängt es von den