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Giovanni Pierluigi da Palestrina und die Gesammt-Ausgabe seiner Werke
Entstehung
Seite
118
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118 Paul Graf Waldersee. i.30

Ferner ein Buch geistlicher Madrigale, der Gemahlin des Groß-herzogs von Toskana Ferdinand I., Christine von Lothringen, dar-gebracht. Es sind dies an die heilige Jungfrau gerichtete Lobgesänge,die aus 30 durchkomponirten Strophen bestehen, das letzte WerkPalestrina's. Am 26. Januar 1504 erkrankte er an einer Rippen-fellentzündung, empfing am 29. das heilige Abendmahl und die letzteÖlung und verschied am 2. Februar in den Armen seines Beicht-vaters, des heiligen Philipp Neri. Die irdischen Reste Palestrina'sruhen in der Peterskirche in der Kapelle der Heiligen Simon undJudas. Eine Bleiplatte auf dem Sarge, enthält folgende Worte:.lollaniiES IVtiii8 VIov8in8 krasnestinns, musioao ^rinoaxs.

Auf dem Sterbebette hatte Palestrina seinem Sohne Jgino ein-geschärft, die noch ungedruckten Manuskripte zu veröffentlichen undhatte ihm die Mittel hierfür angewiesen. Als Jgino jedoch wenigeTage nach des Vaters Tode erfuhr, daß Clemens VIII. die Absichthabe, die hinterlassenen Werke des Vaters drucken zu lassen, eigneteer diesem den in Vorbereitung befindlichen siebenten Band der Messenzu, mit der Andeutung, daß für die Herausgabe der sonstigen Werkeihm die Mittel fehlten. Der Papst erfuhr den wahren Sachverhalt,es unterblieb die Herausgabe, Jgino fiel in Ungnade und veräußertenun die Manuskripte des Vaters, das für den Druck bestimmte Geldfür sich behaltend.

Baini erkennt in den Kompositionen Palestrina's 10 Stilarten.

Es würde zu weit führen, dieselben hier einzeln aufsühren zu wollen,denn durch eine derartige Klassificirung, wenn auch aus ihr diegründlichste Kenntnis der Werke spricht, wird doch nur der Weg,der den Künstler schließlich ans den Höhepunkt des Schaffens führt,in einzelne Abschnitte getheilt, und diese Entwicklungsperiode wirdman bei jedem Meister beobachten können. Moritz Hauptmann saßtdiese Auseinandersetzungen Baini's auf höchst geistreiche Art folgender-maßen zusammen, wenn er schreibt:Baini giebt 10 verschiedeneStile an, das möchte zuvörderst verwirrend sein, aber 3 Arten lassensich bei näherer Bekanntschaft leicht unterscheiden. In der erstenkommt er den Niederländern, seinen Vorgängern, noch nahe, sie be-zeichnet sich für unsere Ohren durch Harmoniemangel; die Me-lodien gehen ihren Gang neben einander fort, ohne eigentlich zumAkkord zu verschmelzen, harmonisch gehört sind sie trocken, schwer-fällig und unsügsam, diese sind durchaus kanonisch und fugirt. Die