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Giovanni Pierluigi da Palestrina und die Gesammt-Ausgabe seiner Werke
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23) Giovanni Pierluigi da Palestrina und die Gesammtansgabe seiner Werke. 111

muß eine Transposition vorgenommen werden und zwar in denmeisten Fällen nach unten hin, weil die Bässe sehr hoch liegen.Hat man den Umfang einer jeden Stimme geprüft, so wird sich beiden meisten Werken eine Tonhöhe finden lassen, in der sämmtlicheStimmen in bequemer Lage liegen. An manchen Orten gelingtdieses aber nicht, dann helfe man sich dadurch, daß man wenigstensdie äußeren Stimmen, Sopran und Baß, in eine sangbare Lagebringt und die Mittelstimmen in sich dadurch unterstützt, daß manfür Alt zu tief liegende Stellen durch Tenoristen, für Tenor zuhoch liegende durch Altisten aussühren läßt. Obenerwähnte Orgel-stimme ist als ein Versuch anzusehen, die Schwierigkeit der Aus-führbarkeit Palestrina'scher Werke zu mildern. Sonstige Bearbei-tungen existiren nicht, werden auch nie gefertigt werden können;der polyphonen Schreibweise wegen können die Kompositionen un-seres Meisters im Urtext nur gesungen oder gelesen werden. Indiesem Mangel einer erleichternden Vermittlung, um die es sich dochschließlich bei den vielfachen Bearbeitungen der Werke unserer sonstigenmusikalischen Klassiker handelt, dürfte hauptsächlich der Grund zusuchen sein, daß Palestrina's Werke, trotz der ihnen seit Jahrhun-derten gezollten Bewunderung, sich in der musikalischen Welt sowenig einzubürgern vermochten.

Der Enkel des Königs Stephan von Polen, Fürst AndreasBathorius, als Gesandter nach Rom gekommen und am 4 . Juli1584 zum Kardinal ernannt, lernte Palestrina kennen und zeigtefür dessen Kompositionen besonderes Interesse, so daß letzterer sichveranlaßt fühlte, den in Vorbereitung befindlichen Motettenband(Band IV, Abtheilung II), den er eigentlich für den Papst Gregor XIII.bestimmt hatte, dem Kardinal zu widmen. In der Dedikations-urkunde werden dem Großvater sowie dem Enkel die größtenSchmeicheleien gesagt. Für uns ist dieselbe nur insofern von Be-deutung, als in ihr auf frühere dem Prinzen überreichte musik-wissenschaftliche Arbeiten Bezug genommen wird, welche derVerfasser sein Leben lang zwar mit wenig glücklichem Erfolge, abermit großem Fleiße betrieben zu haben behauptet. Wir erkennen hier-aus, daß Palestrina auch auf diesem Felde thätig war. Doch nichtgenug mit der Widmung, auch die erste Motette feiert das Batho-rische Königsgeschlecht durch folgende Textworte: