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Giovanni Pierluigi da Palestrina und die Gesammt-Ausgabe seiner Werke
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109
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2>; Giovanni Pierlnigi da Palestrina und die Ge'ammtansgabe seiner Werke. 109

mögen, daß sie überhaupt mit strengster Kontrapunktik vereinbarsei. Aus dem Ganzen aber ruht eine solche Unschuld, Erhabenheitund geistige Verklärung, dabei zeigt die Musik eine Präcision desAusdrucks, reine Schönheit der Kantilene, Ebenmaß und Sicherheitdes Ausbaues, daß wir in dem Hohen Liede eine der höchstenKnustleistungen aller Jahrhunderte erblicken dürfen." Wenn es anund für sich ein löbliches Unternehmen ist, zur Verbreitung Pa-lestrina'scher Musik beizutragen, wenn es vollständig gerechtfertigtist, den Motetten einen minder anstößigen deutschen Text zu sub-stituiren, da es doch immer bedenklich ist, Worte des Hohen Liedessingenden Mädchen in den Mund zu legen, so kann ich mich mitdem Gedanken nicht befreunden, in Musik gesetzte Liebeslieder vormir zu haben. In der Bezeichnung als Motette liegt ihre kirch-liche, wenn auch nicht liturgische Bestimmung, als weltliche Liedergedacht, wären sie gewiß den Madrigalen eingereiht worden. Diein der Widmung zwischen den Gesängen des Hohen Liedes und denLobgesüngen (das sind die später komponirten Hymnen) gezogeneParallele deutet darauf hin, daß auch erstere als oanti spiritualigedacht sind. Wenn Palestrina selbst versichert, daß er sich Mühegegeben habe, die göttlichen Freuden des Hochzeitliedes mit Feuerauszudrücken und den Stil des Werkes einen lebendigeren nennt,so glaube ich aus diesen Worten vorerst die Begeisterung zu er-kennen, die über ihn gekommen, als er diesen Text in Musik setzte,dann das ihn erhebende Gefühl, als er sah, daß der Wurf ihmgelungen war. Eine von anderen Motetten abweichende Schreib-weise lese ich nicht heraus; ebensowenig vermag ich mich zu derAuffassung Gugler's emporzuschwingen, wenn er z. B. sagt, derAnfang der Motette »Vuliioiasti vor ineiim« klänge jedem empfäng-lichen Ohr als tiefer Liebesseufzer, oder, wenn er zu den Worten»Lguitatni ineo in oririibiis IMaiaonis« in der Motette »8i iAiio-i-as te« bemerkt, es werde durch ein einfaches rhythmisches Mitteldas Stampfen der Rosse angedeutet. Die Stelle sieht so aus:

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Mögen die Ansichten über Einzelheiten auseinandergehen, imGanzen werden sie darin übereinstimmen, daß dieser Motettenbanö