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Paul Graf Waldersee.
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Kompositionen bekannt gemacht, aber bei gebildeten und ernstenMännern durch die Wahl des unmoralischen Stoffes Anstoß erregt.Daß auch ich einstmals zu ihrer Zahl gehört habe, macht micherröthen und erfüllt mich mit Kummer. Aber wenn auch Ge-schehenes sich nicht rückgängig machen läßt, auch begangene Thor-hciten, wenn sie einmal ansgeführt sind, nicht mehr zurückgenom-men werden können, so habe ich doch meine Gesinnungen geändert.Deßhalb bearbeitete ich schon früher die Gesänge, die zum Lobe un-seres Herren Jesu Christi und seiner Mutter, der Jungfrau Maria,verfaßt sind; jetzt habe ich solche gewählt, die die heilige LiebeChristi und feiner Seelenbraut besingen, nämlich das Hohe LiedSalomonis. Ich habe in demselben einen lebhafteren Ton ange-schlagen, als ich sonst bei Kirchengesängen zu thun Pflege, denn dieSache selbst schien es zu fordern." —
In neuerer Zeit hat Adolf Thürlings, angeregt durch einenAufsatz, der aus der Feder des nunmehr verstorbenen B. Guglerstammt und der in der Augsb. Allg. Zeitung, Beilage zu Nr. 362vom 28. Dezember 1875, veröffentlicht wurde,. 13 Motetten diesesBandes ausgewählt, mit deutschem Texte versehen und für denKonzertgebrauch der Öffentlichkeit übergeben.*) Im Vorworte sagter: „Die tlmrtioa sind in der That keine Kirchenmusik im litur-gischen Sinne des Wortes, und der Verfasser des oben bezeichnetenAufsatzes hat selbst darin Recht, daß er es als gewiß hinstellt, daßPalestrina nicht einer lahmen Allegorie zu dienen gedachte, sonderndas „Lied der Lieder" aus vollem Herzen als Liebeslied sang. Frei-lich enthält Palestrina's Vorrede den Satz, daß die »dontioa« die„göttliche Liebe Christi und der Seele, seiner Braut" enthalten, aberdas kann doch nur ein über dem Ganzen schwebender Gedanke sein,der dem Werke die übrigens schon in ihm selbst begründete absoluteReinheit verbürgt und ihm in seiner Anwendung die höhere Weihegiebt; aber musikalisch illustrirbar waren doch nur die dem Texteinnewohnenden Einzelgedanken, und das ist eben das „Liebeslied".So ist denn in all diesen Gesängen — um nochmals mit dem Ver-fasser jenes Aufsatzes zu sprechen -— ein jugendlich frischer, baldfreudig aufleuchtender, bald sehnsüchtig hinschmelzender Ton, eineAnmuth und Süßigkeit, von der die Wenigsten heute zu fassen ver-
Leipzig, Breilkopf und Härtel.