19) Giovanni Pierlnigi da Palestrina und die Gesammtausgabe seiner Werke. 1g7
Motetten sBand V, zweite Abtheilung). In der Folge werde ichmich damit begnügen müssen, die in der Gesammtausgabe bis jetztnoch nicht enthaltenen, zum Theil überhaupt noch gar nicht ver-öffentlichten Werke nur mit dem Titel ansühren zu können, so dieLamentationen, Litaneien, Madrigale und einen Theil der Messen.In der Widmung obenbezeichneten Motettenbandes spricht Palestrinaseinem hohen Gönner Dank dafür aus, das; dieser ihn zu Zusam-menkünften herangezogen hat, wo, wie es scheint, wissenschaftlicheThemen besprochen wurden. In diesem Bande sind es besondersdie für drei gleiche Stimmen, drei Soprane und einen Alt, geschrie-benen Motetten, die uns fesseln. In Erinnerung an seine verstor-bene Gattin komponirt, meinen wir aus diesen Gesängen den Puls-schlag eines trauererfüllten Herzens, den Ausdruck größten Seelen-schmerzens zu vernehmen, ohne daß der angeschlagene Ton je sichins Weichliche verliert.
Die beiden nächsten Bünde widmete Palestrina dem PapstGregor XIII., den vierten Band der Messen (Band XIII) und denvierten Band der Motetten >)Band IV). Entnommen wurden dieTexte für den 29 Motetten enthaltenden Band dem Hohen LiedeSalomonis, dessen acht Kapitel, wenn auch nicht'vollständig, sowieauch' ohne strenge Beobachtung der Reihenfolge des der Vulgataentnommenen Bibelwortes, durchkomponirt wurden. Palestrina begabsich selbst zum Papst, mit der Bitte, die Widmung des Bandes,den er für Seine Heiligkeit gesetzt habe, anzunehmen. Der Papstlächelte bei diesen Worten und sagte: „Ich nehme gern dieses Werkan, und es wird nicht schwer halten, in dem Geschenke das Gemüthdes Gebers zu entdecken." „Der Himmel gebe," antwortete Pierlnigi,„daß, sowie ich mir Mühe gegeben, die göttlichen Freuden desEpithalamiums mit Feuer auszudrücken, mein Herz auch durcheinen Funken der Liebe entzündet werden möchte!" woraus er, nach-dem ihm der Papst den Segen ertheilt hatte, freudig und zufriedenvon ihm schied.
Die Dedikation lautet:
„Nur allzu viele Dichter haben Lieder verfaßt, deren Inhalt eineLiebe behandelt, die christlichem Glauben und Namen entfremdetist, aber selbst solche Dichtungen haben viele Musiker nicht ver-schmäht und ihre Kunst und ihren Fleiß darauf verwendet, dieselbenmusikalisch zu gestalten. Zwar haben sich die Autoren durch diese