17) Giovanni Pierluigi da Palestrina nnd die Gesammtausgabe seiner Werke. 1Y5
mögest." Baini giebt an, daß Palestrina vier Söhne gehabt habe:Angela, Ridolfo, Silla und Jgino. Daß Jgino sein Sohn war,steht fest; er überlebte den Vater und verschleuderte seine Werke;von Angelo hat E. Schelle, gestützt auf Erbschaftsdokumente, die erin der Stadt Palestrina aufgefunden, nachgewiesen, daß auch erein Sohn Giovanni's gewesen. Deßhalb ist nach obiger Widmungs-urkunde anzunehmen, daß Ridolfo oder Silla, welcher von Beiden,bleibt dahingestellt, nicht ein Sohn, sondern ein Bruder Palestrina'swar. Den drei von Angelus, Sylla und Rudolsus Petraloysiuskomponirten Motetten : »Diromrs possrrm Domiiro« (Nr. 12), »Do-mino xator« (Nr. 14) und »6onütobor tibi« (Nr. 15) mangelt derväterliche, bezw. brüderliche Geist, es sind kontrapunktische Übungen,die nur dadurch von Interesse sind, weil sie Giovanni in den Bandaufnahm. Welcher himmelweite Unterschied, wenn wir die folgendeMotette »Doeoantom mo gnoticiio« (Nr. 16) mit diesen vergleichen.Das sind Tonverbindungen, die nur dem Munde eines gottbegna-digten Sängers entströmen konnten. Die musikalische Illustrationder Worte »Nisororo moi Dons» ist in der Motette »Irilmlmer, siimsoirom« (Nr. 18) in eigenthümlicher Weise vollzogen worden.Baini lobt sie nicht, und ich muß gestehen, daß ich mir durch dasbloße Lesen der Partitur, ohne die Motette gehört zu haben, keinrechtes Urtheil über ihre Wirkung zu bilden vermag. Palestrinalegt den Lantus ürmus in den zweiten Alt und intonirt :
7
4 -
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Ni - SS - re - rs E - i Os - US!
Dieselbe durch Pausen unterbrochene Periode folgt nun neunmalhinter einander und zwar die ersten vier Male um einen Ton stei-gend, die letzten vier Male um einen Ton fallend, die Anfangs-noten lauten also: cl, 6, I, A, a, I, 6, ä. Vielleicht wirkt dieKonsequenz ermüdend.
Den dritten Band der Motetten (Band III) widmete PalestrinaAlfons II-, Herzog von Ferrara und Modena, dem Bruder des in-zwischen verstorbenen Kardinals Hippolit, dem er den ersten Band derMotetten dedicirt hatte. Die Widmung ist in musikalischer Hinsichtohne jedes Interesse. Sie betont nur den Dank, zu welchem derVerfasser dem hochangesehenen Namen Este verpflichtet sei, und ge-denkt in großer Verehrung des Heimgegangenen Kardinals.
Musikal. Vorträge. V. 9