104 Paul Graf Waldersee. l >6
Aus dem Jahre 1563 liegt uns der dem Kardinal RudolphusPius von Carpi gewidmete Motetteuband (BandV, Abtheilung I)vor. Aus der Dedikation entnehmen wir folgende Sätze: „Vielebedeutende Männer, welche auf die Verherrlichung der Musik Müheund Fleiß verwendet haben, bezeugen den großen Einfluß. desfensich dieselbe sowohl in Betreff eines erwünschten Nutzens, wie einesedlen Genusses zu erfreuen hat. Darauf deuten auch jene von denAlten erfundenen Fabeln, nach denen selbst stumme und lebloseGegenstände von der Lieblichkeit des Gesanges ergriffen wordensein sollen. Deßhalb haben nicht mit Unrecht unsere weisen Vor-fahren die Musik als Würze zum Worte Gottes angewendet wissenwollen, damit diejenigen, welche frommer und gottesfürchtiger Sinnin die Kirche führt, durch den Zusammenklang der auf mannigfacheArt geführten Stimmen und durch die Lieblichkeit des Gesangesselbst in ihr zurückgehalten würden. Wäre derselbe Fleiß auf dieAusschmückung geistlicher Lieder verwendet worden, wie er verderb-ten Weisen zu Theil wurde, so wäre es sicherlich besser mit denVerhältnissen der Menschen bestellt. Ich meines Theils, wenn ichauch meiner schwachen Kräfte mir vollkommen bewußt bin. habekeine angelegentlichere Beschäftigung, als daß ich die Gesänge, dieim ganzen Jahr bald zu dieser, bald zu jener Zeit in der Kirchegesungen werden, musikalisch in der Weise zu gestalten suche, daßdas Ohr durch dieselben einen anmnthigen Eindruck empfängt." —
Eben wie obenerwähntes Oruaitlxus fanden auch diese 8stim-migen Motetten wohlverdienten Beifall.
Pius IV. war als großer Musikfreund selbst darauf bedacht,das Unrecht, welches Palestrina durch die Entlassung aus der Ka-pelle der päpstlichen Sänger angethan worden war, seinerseits gutzu machen, indem er ihn im April 1571 zum Kapellmeister an dervatikanischen Hauptkirche zu S. Peter ernannte, und ihn damit indie früher bekleidete Stelle wieder einsetzte. Gleichzeitig trat Palestrinaals Maestro in den Dienst des h. Filippo Neri, des Gründers der„Väter vom Oratorium". Im Jahre 1572 gab er einen zweitenBand Motetten (Band II) heraus, den er dem Herzog Gulielmo vonMantua widmete. Aus der Dedikationsurkunde ist folgender Satzhervorzuheben: „Darum weihe ich denn Deinem Namen diese kleinenGaben, unter denen Du auch die eingeschobenen Erstlingsarbeitenmeines Bruders und meiner Kinder zu prüfen nicht unterlassen