15) Giovanni Pierlnigi da Palestrina und die Gesammtausgabe seiner Werke. 103
in der Wirkung stattfindet. „Neulich habe ich zum ersten Male ge-funden," schreibt Hauptmann, „was denn das l'iioiniiie simö, wor-über es so viele alte Messen gibt, für ein Gesang ist; es ist, wasich auch oft bei Schülern kontrapunktischen Sachen zu Grunde lege:
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in Moll und Dur, und nun finde ich auch das L-uia dieser Messewieder über dies Thema, denn das X^iis ist eben noch ganz Fugein jener älteren Weise. Noch ist merkwürdig, daß diese beiden tiesenStimmen sich immer unter- und übersteigen, daß eine so oft als dieandere den Baß macht. . . Der letzte Passus ist unverständlich,denn auf diese Messe bezogen ist er nicht zutreffend. Die Missa»Ileiilöutur 08 nie uIQ Iniiäo« ist wiederum eine kanonische, ähnlichder früher bezeichnten, hier noch künstlicher angelegt, es folgen sichKanons aus der 8 ., 6 ., 5 ., 4 ., 3 ., 2. Stufe, im Einklang mit derAntwort in doppeltem Werthe und endlich im zweiten ^.Aims I)oiein dreistimmiger in der Oktave und Quarte. Die Missa »Dt ioINI tü sol la« hatte Palestrina schon früher dem Kollegium derpäpstlichen Sänger verehrt, sie ist die letzte dieses Bandes. Wieder Titel besagt, ist der Messe die musikalische Skala:
als Thema zu Grunde gelegt. Dieses erscheint in einfachen unddoppelten Werthen, in gerader und in der Gegenbewegung. DasWerk ist ein Meisterstück dadurch, daß, trotz Verwendung aller derKunst zu Gebote stehender Mittel, wir niemals an dieselben erinnertwerden. Den Glanzpunkt der Messe bildet das für zwei Sopraneund zwei Alte geschriebene 6ruoiüxns, das schon damals den Papstund die Kardinäle entzückte. „Als diese Töne zum ersten Male inder Sixtinischen Kapelle erklangen" — sagt Baini — „in jenemHeiligthume, das Baukunst und Malerei vor nicht lange erst neuverherrlicht hatten, erhoben diese Künste sich von ihren Sitzen, sie,die den Jmproperien (gleichsam einer unzeitigen Blüthe) gegenüberihren alten Stolz nicht abgelegt hatten, umarmten die Tonkunst,ihre Schwester, die alten Ehren ihr zollend, und größeres Entzückenergriff die Anwesenden als zur Zeit Griechenlands jemals die Hörerder berühmtesten Tonkünstler oder dichterischen Sänger empfanden."