11) Giovanni Pierluigi da Palestrina nnd die Gesammtarwgabe seiner Werke. 99
1) daß weder Motetten noch Messen mit Vermischung von sremdenWorten gesungen werden dürften;
2j daß keine Messen, welche über weltliche Themen und Liederverfaßt, mehr gesungen und
3) daß Motetten über von Privatpersonen erfundene Worte ausimmer von der päpstlichen Kapelle ausgeschlossen bleiben sollten.Die Forderung der Kardinale, daß die heiligen Worte des Ge-sanges unausgesetzt deutlich zu vernehmen sein müßten, stieß beiden Sängern auf Widerspruch, denn, nähme man der Musik dieFuge und die Nachahmung,, so würde derselben ihr eigenthümlichstesElement entzogen. Endlich wurde dadurch eine Einigung erzielt,daß man beschloß, ein Muster echter Kirchenmusik aufzustellen, undPalestrina, der durch die Jmproperien und die Messe »Vt re ini tü8ol in« gezeigt hatte, daß er der Sache gewachsen sei, wurde beauf-tragt, eine derartige Mustermesse zu schreiben. Gelänge es ihm,sowohl den Ansprüchen der Kongregation, sowie denen des Koneilszu genügen, so sollte die Figuralmusik, ein mehrstimmiger Gesang,der sich in Figuren über einen 6antns tirmus ergeht, der Kircheerhalten bleiben. Er schrieb drei Messen, die am 28. April 1565zur Aufführung gelangten; die dritte errang den Preis, und dieFiguralmesse war für die Kirche gerettet. Pius IV. soll sich überdieses Werk geäußert haben: „Dies seien die Harmonien des neuenhohen Liedes, welches einst der Apostel Johannes in dem jubelndenJerusalem gehört hatte, von welchem ein anderer Johannes uns eineIdee in seinem wandernden Jerusalem giebt."
In dankbarer Erinnerung an den Papst Marcellus II. nanntePalestrina diese Messe Vlissa Vapao iVIareslli, widmete sie aberspäter mit anderen Messen zusammen Band Xli dem Könige Philippvon Spanien mit folgenden Worten:
„Die nutzbringende und genußbereitende Handhabung der musi-kalischen Kunst ist noch mehr als alle übrigen menschlichen Wissen-schaften eine göttliche Gabe, die von Alters her durch die heiligeSchrift gebilligt und gutgeheißen wird; darum erscheint sie auchmit Recht ganz besonders bei heiligen und gottesdienstlichenDingen geeignet. Deßhalb habe ich nach vieljähriger, nicht ganzvergeblicher Beschäftigung mit dieser Kunst (wenn ich mich mehrans fremdes* als aus mein eigenes Urtheil stützen darf) dem Rathebedeutender nnd gottessürchtiger Männer folgend, Mühe und Fleiß