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Die Söhne Sebastian Bach's
Entstehung
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11 ) Die Söhne Sebastian Bach's. 11

die Ruhe der Erschöpfung nach dem Tode des Erlösers, den Still-stand der Natur, das Stocken ihres sonst so frisch pulsirendenLebens durch einen unheimlich leisen Klagegesang im Unisono derSaiteninstrumente so meisterhaft darstellt, wird kaum überboten sein.Sie hat ihrerseits wohl das Muster zu Meyerbeer's berühmtemInstrumental-Unisono im 4. Akt seinerAsrikanerin" gegeben.

Aber es fehlte ihm doch der dramatische Funke, der seinesVaters und Händel's oratorische Schöpfungen belebt hatte; selbstGraun's weichere Formenbildung und Melodik waren mit glück-licherem Griffe geschaffen. Auch Bach's berühmtestes OratoriumDie Israeliten in der Wüste" leidet unter dem unbezwing-baren Mangel an Energie, sowohl im Text als in der Musik, undso erhaben und schön Einzelnes darin zu seiner Zeit erschien undnoch jetzt erscheinen mag, zu einer großen Gesammtwirkung imSinne der modernen Musikausfassung gelangt es nicht. Dies wirdschon durch die langen, lediglich auf für uns uninteressanten Bravour-gesang eingerichteten Arien unmöglich gemacht. Wenn Reichardtdieses Werk ein solches Meisterstück genannt hat, welches mit seinemangenehmen und fließenden Gesänge alle Einwürse der boshaftenund unwissenden Neider Bach's zu Boden geworfen habe, so hater eben aus feiner Zeit geurtheilt. Er ist später selbst über Ema-nuel Bach anderer Meinung und ungerecht gegen ihn geworden.

Für die Weiterführung des alten Oratoriums, wie die großenVorgänger solches überliefert hatten, reichte Emanuel Bach'sKönnen und Wollen nicht aus und für die Vorbereitung des mo-dernen Oratoriums, wie dies nach einer kurzen Reihe von Jahrenin Haydn seine ersten und höchsten Blüthen erreichen sollte, warseine Zeit noch nicht reif. Was diese an ihm bewunderte, weßhalbsie ihn hochhielt, weit über seine Zeitgenossen stellte, das lag, ihrunbewußt, auf anderen Gebieten, als auf denen der ernsten undgeistlichen Musik.

Indem ich mich zunächst Bach's theoretischen Arbeiten zuwende,werde ich versuchen, auf diesem Gebiet, welches zu jener Zeit vor-zugsweise nur von Matth eson in seinen zahlreichen kritischen undästhetischen Schriften beschritten worden war, dasjenige Verdienstdes ausgezeichneten Tonsetzers, das nach jetziger Auffassung unbe-stritten mit in allererster Linie anzuerkennen ist. einer näheren Wür-digung zu unterziehen.