4
C. H. Bitter.
ft
und dessen Werke in die erste Reihe der Schöpfungen deutscher Ton-setzer eingestellt wurden.
Nicht weniger bemerkenswerth ist es. daß Seb. Bach's Nach-kommenschaft, des Sproßen und Enkels eines Stammes von Mu-sikern, die zweihundert Jahre hindurch in Thüringen und Sachsenin so großer Zahl gelebt, gewirkt und zur Ehre Gottes ihre Kunstgeübt hatten, der selbst mit nicht weniger als 12 Söhnen gesegnetwar, bereits mit dem Ende des vorigen Jahrhunderts erlöschen sollte.Nur ein einziger Nachkomme (Friedrich Wilhelm Ernst, desBückeburgers Sohn -s 1843) ist in die jetzige Zeit als letzter EnkelSeb. Bach's herüber getreten.
Das große und blühende Geschlecht ist abgestorben. So weites von dem ersten Zweige des Johann Bach, des Rathsmusikerszu Erfurt (j- 1673), herstammte, hatte es schon seit der Mitte des18. Jahrhunderts nachweislich keine Musiker mehr erzeugt.
Nicht alle Söhne des großen Tonsetzers waren seiner würdiggeblieben. Dennoch ist das Absterben der zahlreichen Familie des-selben ein in der Kunstgeschichte so bedeutungsvolles Ereignis, daßes das Recht aufmerksamer Beobachtung in Anspruch nehmen darf.
Im Anschluß an die Schüler und Söhne Seb. Bach's hattesich zu Berlin in gemeinschaftlichem Wirken zahlreicher Künstler jeneneue (die Berliner) Schule gebildet, durch welche die altklassischeMusik im Gegensätze zu der Musik der Opernbühne und der aufdieser mehr und mehr um sich greifenden italiänischen Geschmacks-richtung gepflegt und forteutwickelt wurde, und in Em. Bach,Kirnberger, Marpurg, Nichelmann, Fasch, Quanz,Agricola, den Benda's, sowie in Graun und dessen Bruderhatte sie ihre bedeutendsten Vertreter gefunden. Der polyphone Stilwar mit Seb. Bach und Händel auf seinem Gipfelpunkt ange-kommen. Darüber hinaus war ein Neues, waren greifbare Fort-schritte nicht mehr möglich. Das eigensinnige Verfolgen der altenRichtung würde zur Verknöcherung, zur Versumpfung geführt haben.Zeugnis hiefür hat Friedemann Bach, Sebastians ältesterbedauernswerther Sohn abgelegt, der, wie wenige begabt, Kontra-punktist im vollsten Sinne des Wortes, daran zu Grunde gegangenist, daß er nur auf den unveränderten Bahnen weiter schreitenwollte. Es war eben nothwendig, daß neue Wege, neue Formengesunden wurden, um die Kunst, wie sie sich bisher entwickelt hatte,