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Die Symphonie in ihrer historischen Entwickelung
Entstehung
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23) Die Symphonie in ihrer historischen Entwickelung. 87

in Bausch und Bogen für unbedeutend zu halten. Vielmehr ist eswunderbar zu erleben, was in einer so jugendlichen Phantasie, wiedie Mozart's damals war, für merkwürdige, musikalisch-interessanteGebilde entstehen konnten; besonders zu betonen sind jene in Salz-burg, nach den italiänischen Reisen und vor der letzten pariser, inden Jahren 1772 bis 1774 geschriebenen Symphonien, die in spru-delnder Lebhaftigkeit, geistreicher Behandlung aller Details, manch-mal auch in gewichtigem Ernst und bedeutender Melodik, Haydnbereits erreichen und die großen Symphonien des Jahres 1788vordeuten.

Daß durch Beethoven die Symphonie ihre höchste Ausbildungerhalten hat, ist bekannt und in sofern unbestreitbar, als ein nochweiteres Überbieten nach Seite der Großartigkeit in Form und In-halt nicht möglich war; denn es giebt gewisse Grenzen, über welchedas künstlerische Unterfangen nicht hinaus kann ohne ins Unge-heuerliche zu gerathen. Nach ihm haben daher einsichtsvolle undwirklich hochbegabte Künstler nicht darauf beharrt ihn fortsetzen oder-gar „überbieten" zu wollen, sondern haben sich wieder auf allgemei-neren Boden gestellt, und sind dabei ihre eigenen Wege gegangen,indem sie der richtigen Überzeugung folgten, daß es außer dem ab-solut Großartigen noch andere nicht minder künstlerische Ziele giebt,daß das Liebliche, in allen Theilen Harmonische auch seinen Werthhat, besonders wenn eine eigenthümliche wirklich neue Künstlernaturdazu kommt. Dieser Richtung verdanken wir eine Reihe ausgezeich-neter symphonischer Werke, die man zwar nicht mit den Beethoven -schen vergleichen soll, die aber deßwegen werthvoll sind, weil ihreAutoren alle wirklichen (nebst einigen bloß scheinbaren) Verbesserun-gen in Hinsicht des Jnstrumentalsatzes, oder der „Jnstrumentirung",aufnahmen und einführten, sich aber nicht auf abenteuerliche Pfadefortreißen ließen, und den Prineipien des Schönen nicht untreuwurden; ich meine in erster Linie Schubert, Mendelssohn undSchumann, in zweiter Linie Spohr und Gade. In den Sym-phonien aller Genannten lebt der echte Geist der Kunst, in denender drei ersten auch der Geist der Gattung fort. Eigen ist ihnenallen der durchaus schöne und edle Orchesterklang, ja es ist nichtzu leugnen, daß sie hierin manchmal Beethoven, nicht aber Mo-zart und Haydn, übertreffen. Freilich an rhythmischer Kraft undkontrapunktischer Kunst, Eigenschaften, welche den älteren Meistern