Die Symphonie in ihrer historischen Entwickelung.
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zosen, diese Dreisätzigkeit verschieden aus: während sich die italiä-nische Sinfonia so gestaltete, daß die Stücke in schnellem TempoAnfang und Ende bildeten, ein langsames Stück aber in die Mittetrat, hatte die französische Oper ihre Sinfonia umgekehrt so einge-richtet, daß das Grave, also das langsame Stück, zum Anfang undans Ende kam, der schnelle Satz aber in die Mitte. Beide hieltenan ihrer Art fest, bis die Zeit von selbst eine andere Richtungbrachte. Während nämlich in der Oper die Tendenz mächtig wurde,die einleitende Orchestermusik eher zu verkürzen und das Interessemehr auf die Handlung zu lenken, entstand die ganz selbständigeInstrumentalmusik als Sonate, welche die Form der italiänischenOpernsymphonie annahm, sich aber nun ungehindert in die Breiteentfalten konnte. So wurde die ursprünglich italiänische Opern-symphonie zur Konzertsymphonie, während die französischeOpernsymphonie durch allmählich immer konsequentere Abschüttelungdes zweiten Grave zur jetzigen Ouvertüre wurde. Freilich schrumpftebei dieser auch das erste Grave immer mehr zusammen und wurdezu einer bloßen „Introduktion" des Allegro, oder blieb ganz weg. —Kehren wir jedoch zu den Geschicken der Symphonie als solcherzurück. Daß man schon im 17 . Jahrhundert Orchestersymphonienals selbständige Musikwerke, ohne „einleitende" Absicht, komponirte,zeigt u. a. Gregorio Allegri, der berühmte römische Komponist desbekannten Miserere (gest. 1652 ). Wir besitzen von ihm eine solcheSinfonia, jedoch bloß für Streichinstrumente, und haben kürzlicham Jubiläum der „Mittelalterlichen Sammlung" in Basel Gelegen-heit gehabt sie zu hören. Hier herrscht noch ganz der kontrapunk-tische Stil, von homophoner Melodie im Sinne der späteren Sym-phonie ist noch Nichts zu spüren — Alles ist noch ziemlich steif;die drei Sätze haben zwar verschiedene Thema's, hängen aber noch,wie bei der Opernsymphonie, zusammen. Zu der Bedeutung,welche für uns die Symphonie als Konzertstück hat, gelangte sieerst später, und zwar kaum viel früher als um die Zeit von Jos.Haydn, welcher denn auch als eigentlicher Schöpfer der Gattungbetrachtet wird. Vielleicht könnte ihm Phil. Em. Bach diese Ehrestreitig machen, denn dieser schrieb schon um 1741 seine ersten Sym-phonien, während die Komposition der ersten Symphonie von Haydnins Jahr 1759 füllt. Doch, nach den neuerlich gedruckten dreiletzten Symphonien Bach's, die im Jahre 1776 komponirt sind,