628 Vorurtheile.
oder gethan haben, geschieht bey unfern Zeiten mit der furch«terlichsien Arglist, und mit unbeschreiblichem Eigennützen inder bürgerlichen Gesellschaft, besonders, wenn man eineMacht, einen Anspruch, einen Auftrag, eine Gemalt besitzt.Aber dieses ist die Absicht unsers Gespräches nicht, wir woblen zur Sache zurückkehren.
Sie reden von Vorurtheilen, welche die Religion verumehren. Mein Herr! Jene Vorurtheile könnten die Religionverunehren , welche sich in der Lehre selbst befänden, und webche durch das Ansehen der Oberhirten und der Lehrer in derReligion unterstützet würden. Was weder gelehret wird,noch gulgeheißen ist, darf man der Religion nicht zur Lastlegen, sondern einigen Privatpersonen, derer Meynungenund Denkensart keine Vorschrift und kein Gesetz ausmachen.
Man wird ohne Beschwerniß gestehen, daß es unter denChristen Leute giebt, die einigen Vorurtheilen, das ist, schlechtgegründeten, oder beweiselosen, oder auch durchaus falschenMeynungen unterworfen sind. Aber man muß auch bekennen:
1. Daß diese Vorurtheile der Christen weder der Gesell«schuft, noch den guten Sitten, noch eben jenen Kritikern,welche sie mit so vieler Hitze tadeln und verdammen, einenSchaden thun.
2. Daß einige von diesen Vorurtheilen manchesmal un-ter dem gemeinen Volke nützlich sind, La sie es antreiben,gottselige Werke zu verrichten, die allezeit Gotte gefällig stynkönnen, wenngleich die Ursache und der Beweggrund, dersie hervorgebracht und gestiftet^ hat, etwas falsches an sichhatte.
z. Daß die Lauterkeit der Religion dabey nicht das ge-ringste verliert; denn obgleich die Kirche Dinge, die nicht in
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