628 ^ Vernunft.
Dieser kurze Begriff der Glaubenslehre befindet sich in jenenBüchern, die man Rathechismus heißt, und welche ganzeinfach, deutlich, und kurz erklären, was in den zehn Ge«bothen und den Glaubensformeln enthalten ist.
Diese Art, die Wahrheit zu lehren, ist für das zarteAlter zulänglich, in welchem der Mensch nicht anders unter,wiesen werden kann, als daß er die Lehren, welche ihm seineLehrmeister geben, willig anhöret; und zu dieser Arr allein istdasselbe Alter fähig, weil die Vernunft noch nicht genuggebildet ist, um aus sich selbst belehret zu werden, zu unter,suchen, und zu urtheilen.
Diese Art ist auch für Leute genüglich, welche ihr Standoder ihre Verrichtungen nicht die nochrvendige Zeit auf dieUntersuchung dieser Wahrheiten wenden lassen; für Leute,die weder die Wissenschaften, noch die Bücher, noch sonst et,was kennen, das die Beurtheilung schärfen, und den Ver>stand zieren mag; die in der christlichen Gemeine nichts an,ders sind, als was ein gemeiner Soldat im Kriegsheere ist.Gleichwie der gemeine Soldat weiß, daß er thun muß, wasihm sein Hauplmann saget; daß sein Hauptmann die Besch,le vom Feldherrn, und der Feldherr vom Könige empfängt:also wissen die Christen, von denen wir reden, daß sie sichnach ihrem Pfarrer richten müssen; daß ihr Pfarrer nicht-anders lehret, als was der Bischof lehret; daß der Bischofim Glauben mit dem Papste einstimmt, welcher das Hauptder ganzen Religion ist. Sie wissen dann, daß jenes, wasman sie lehret, die Lehre der ganzen christlichen Kirche ist;und sie leben ruhig und sicher.
Diese Grundlehren, welche wesentlich sind, weil sie alleWahrheiten der Religion in sich enthalten, werden noch
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