584 Hohes Lied,
non invkni NIum. „ Sogar zur Zeit meines Schlafes ist„ mein Herz mit meinem Geliebten beschäffüget. O! ich„ höre seine Summe; er hat angeklopfet. Ja, ich habe„ gehöret, daß er mit seiner Hand durch die Oeffnung der„ Thüre hereinlangte: bey dem Geräusche, das er machte,„ har sich alles in mir erschüttert. Ich bin alsobald aufge-„ standen; ich habe den Riegel von meiner Thüre aufge,„ schoben, und sie meinem Geliebten eröffnet. Aber ach!„ er hatte sich schon wieder wegbegeben: kaum hatte ich„ den ersten Laut seiner Stimme gehöret, so hatte ich die„ süßesten Entzückungen gefühlet. Aber vergebens habe ich„ ihn gesuchet; es ist mir nicht möglich gewesen, ihn wie,„ der zu finden „. Wer sollte glauben, daß diese süßenEntzückungen, Lieft unschuldigen Ausdrücke, diese zärtlichenVorstellungen zu den ehrlosesten und unzüchtigsten Abscheu,lichkeiten hätten Gelegenheit geben können?
Ehe ich es beschließe, bitte ich den Leser, einen Blickauf jene Ermahnungen zu werfen, die Origenes in seiner:ersten Homelie über das hohe Lied giebt: „ Dieses Buch„ scheint mir nichts anders, als ein Hochzeitgesang, wo,„ durch Salomon die Gesinnungen einer jungen Braut ge,,, gen ihren Bräutigam, das ist, der Kirche gegen das gött,„ liche Wort, jenes eingefleischte Wort, welches von Liebe„ gegen uns ganz entzündet ist, und dis Gesinnungen dieses„ göttlichen Bräutigams gegen seine geliebteste Braut aus«„ drücket. Aber man muß erstlich beobachten : gleichwie„ das zarte Alter zu der Liebe der lauter geistlichen und un,„ körperlichen Sachen sich noch nicht erheben kann; also„ sind jene, welche den vollkommenen Stand des innerlichen„ un- geistlichen Menschen noch nicht erhalten haben, und,„ was die Tugend betrifft, noch in einer Art von Kindheit
„ sind,