Druckschrift 
1 (1777) A - L
Entstehung
Seite
675
Einzelbild herunterladen
 

»

67 s

XXIV.

H o y e s L i e d.

<^^ieses Buch wird von den Hebräern das Lied der Lieder,das ist, das vortrefflichste Lied geheißen. Man kannnicht zweifeln, daß es vorn Salomon fey, weil der hebräi-sche Text und die griechische UeberseHung, welche von den sie,benzig Dollmetschern genannt wird, derer Ansehen ehrwürdi-ger ist, als alle Schlüsse der Kritiker, dasselbe diesem Fürstenzueignen, und weil die christliche Kirche, sowenig, als diejüdische Kirche, jemals daran gezweifelt Hat.

Unter den Auslegern dieses Buches haben einige geglaurbet, Salomon habe in seiner Begeisterung durch dieses er,Habens Lied, die unaussprechliche Vereinigung des Wortesmit der menschlichen Natur in der Menschwerdung; andere,die Vereinigung des eingefleischten Wortes mit der Kirche,seiner Braut, besungen. In jenen sonderbaren und verwun,derlichen Ausdrücken, welche bald die Unruhe, den Eifer,die Wege des Bräutigams, bald das Leiden, die Seufzer,den Lauf der Braut schildern, erkennen und entdecken sie durchsinnreiche Erklärungen den verschiedenen Zustand des einge-fleischten Worts aufErden; seine Plagen, seine Erobrungen,feine Siege, und die Vereinigung der Völker in der christli-chen Kirche; oder die Prüfungen, die Verfolgungen, dieFortpflanzung, die Dankbarkeit, und die Liebe eben derselbenKirche gegen ihren göttlichen Bräutigam. Die Sinnbildersind fühlbar, die Ausdrücke lebhaft und zärtlich, die Gleich-nisse sonderbar, die figürlichen Redensarten unnachahmlich.Um dieser Ursache willen war es bey den Hebräern nicht er- -laubet, dieses Buch zu lesen, ehe man ein reifes Alter er-

Uus reicher.