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1 (1777) A - L
Entstehung
Seite
674
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674 Leidenschaften.

Hier könnt ihr, Stoiker: von euch die Schildrung lest« :

wann ihr uns bessern wollt, vertilgt ihr unser Wesen.

* * *

Auslegung dieser Verse.

Ihr bekrieget errch, Sterbliche! wenn ihr glaubet, daßeuch Gott die Vernunft gegeben habe, um euch zu großenHandlnngen.zu erheben. Seine Güte har euch dazu weitkräftigere Hülfsmittel gegeben. Die Leidenschaften sind es,jene Verwirrungen und Zerrüttungen, worinnen die Seelesich befindet', wann sie von der Vernunft Abscheid nimmt.Diese Leidenschaften heißen oft viele Thorheiten begehen; abersie sind deßhalben dennoch eine göttliche Gabe und ein himmrlisches Geschenk: und wenn man strafbar wird, und seineEhre schändet, da man ihnen folget, so ist man noch glück/lich, strafbar und geschändet zu werden.

Ihr! die ihr euch gegen die Leidenschaften empöret,wisset ihr dann nicht, daß die Vernunft der ZauberinnMedeen gleicht, welche die Töchter des pelius verblendetHat. Von dieser Zauberinn betrogen, haben die guten Mägd,chen ihren Vater ermordet, weil sie dachten und hoffeten, ihndadurch jung zu machen. Dieß ist eure Schilderung, ihrMenschen! die ihr den Leidenschaften Feinde seyd. Ihr woklet den Menschen bessern ; ihr wollet ihn weise, vernünftig,keusch, bescheiden, mäßig machen: und mit allen diesen schö,nen Tugenden würde er kein Mensch mehr seyn; der Menschwäre vertilget.

Also drücket sich Voltairens Weisheit aus. Er ist aberauch das Orakel der Philosophen unserer Zeiten.

XXIV.