67«^ Leidenschaften.'
I!1.
Dieß ist der höchste Grad der Thorheit, wenn mansich vornimmt dis Leidenschaften zu vertilgen, wie schönist der Vorsatz eines Andächtlers, der sich wie ein Rasen»der quälet, nichrs zu verlangen, nichts zu lieben, nichtszu fühlen, und der am Ende ein wahres Ebenteuer wer,den würde, wenn er es zu Stande brächte.
Unsre Antwort darauf mag sonderbar scheinen. Wirwollen nur für das Wort: Leidenschaften, die Sache sehen,die durch dieses Wort auSgsLeücrek wird, und wollen sagen:Dreß ist der höchste Grad der Thorheft, wenn man sich vor,nimmt die Bewegungen der Seele zu vertilgen, die der Vcr,nnnft widerstreben. Wie schön ist der Versaß eines So,krates, der sich wie ein Rasender quälet, nichts zu verlan,gen, nichts zu lieben, was die Vernunft misbilliget! So,krates! wenn du zu Stande bringst, alle Bewegungen dei-ner Seele cinzuhalten, die der Vernunft widerstreben, sowirst du am Ende ein wahres Ebenteuer werden. Der Ver,fasser der Philosophischen Gedanken hat es gesagtt.
IV.
Die abgetödteten Leidenschaften benehmen den außer,ordentlichen Männern ihre Würde. Ter Zwang ver,nichret die Größe und die Rraft der Natur. Sehet die-sen Baum: dem freyen Triebe seiner Zweige habet ihr dieFühlung und die Breite seiner Schalten zu danken. EsLiebt nichts Vortreffliches in der Dichtkunst, irr der Male,rey , Ln der Tonkunst mehr, wenn der Aberglauben in derNatur die Wirkung des Alters wird verrichtet haben»
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