668 Leidenschaften.
nahe allezeit ihre Unternehmungen, die man bewundert, der
Arglist, der Untreue u. s. w. zu danken.
Wird man die großen Rasereyen, die großen Laster,und die großen Ausschweifungen, wozu die Liebe verleitet,große Dinge nennen? Die Geschichte ist voller Beyspielevon Vergiftungen, Meuchelmorden, verzweifelten Streuchen , Merkmälern der Untreue und des Vcrrathes, wozudie Liebe Gelegenheit gab. Es saget auch der römische Phi,losvph, daß aus allen Leidenschaften die Liebe die heftigste,die schändlichste, die fruchtbarste an Lastern sey, welche derWuth und dem Unsinne zum nächsten kömmt. * Omnibusenim ex animi perturbatiombus elt proieÄo nulls ve-Irementior. Lt li jam ipla illa nolis acculäre, liuprsciico, A corruptelas, L sciulteris, incetts cienicjue,czuorum omnium eü accusabilis turpituäo; seö utkLL omittamus, perturbatio ipsg mentis in amore kce-«ia elt» ut illa pr-eteresm» (jUX lunt furoris; its äu-bitationem infamise non bsbet.
Wird man die Wirkungen des Zornes, der Wuth, odereiner blinden Ungestümigkeit, wie gewisse verwägene Strei-che sind, die man der Herzhaftigkeit zuschreibt, große Dingenennen? Allein, saget eben derselbe Philosoph, den wirnun angeführt haben, man muß die Tapferkeit eines Käm,pfers von der Tapferkeit großer Seelen wohl unterscheiden.Niemals hat der Zorn, oder die Ungestümigkeit die Hora,zen, die Torquatus, dis Scipionen angetrieben, als sie sohellscheineude Beweise ihres Starkmuths abgelegt haben.Wenn dieses wäre, so könnte man sagen, daß die Trunken,heit und die Tollheit gleicher Weise dazu beytragen: dennLeute, die betrunken oder von der Tollheit befallen sind,