662 Leidenschaften.
len seyn; 2. die Weisheit der alten Philosophen erkennen,welche sie für nichts anders, als für Bewegungen und Zer-rüttungen der Seele vorstellen, die der Vernunft zuwiderlau,fen, und vo r der Vernunft verdammet werden; z. urtheilen,wie gefäh» bch für die Sitter, und die Gesellschaft jene unan,ständigen Lobreden siyn, welche die Philosophen unsrer Zei-ten von den Leidenschaften zu halten sich getrauen.
Zweyter Artikel.
Was sind die Wirkungen der Leidenschaften?/Linen Menschen, welcher der Tugend Abfcheid gegeben^ har, kann man wohl sagen lassen, daß die großen Lei,denftbasten große Seelen und große Männer bilden. Jene kleiinen Geister, welchen die Lesung etlicher philosophischer Schar,teken einen so eigenmächtigen und so entscheidenden Ton giebchkann man von der Schönheit, von den großmüthigen Trierben, und von den glücklichen Unternehmungen der Leiden,schäften reden lassen. Die Weichlinge und Schwelger kannman ihre Annehmlichkeiten rühmen lassen. Der Weife, wenner davon urtheilen will, wirst den Blick aufdie ganze Welt:und nach den Zerrüttungen, die sie erfahren hat, und worandie Leidenschaften Schuld waren, entscheidet er, was fürein Urkheil er fällen solle.
Beynahe alle Unglücke, alle heftigen Erschüttrungen,alle Landplagen, alles Unheil, womit die ganze Welt denn,ruhiger, erschüttert, und zu Grunde gerichtet worden ist,sind die Wirkungen blinder, unbilliger, ungestümer Leiden,schäften gewesen, wovon sich Menschen haben fortrerßen las-ier,. Wenn wir von allgemeinen Austritten zu sonderheitrlichen übergehen, werden wir sehen, daß nichts das mensch,
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