Höchstes Gut. 619
Es liegt mehr Verstand, Weisheit, und Beleuchtungin einem einzigen Worte, das wir vom großen Bischöfe zuHtppon beybringen wollen, als in allem, was unsere ver-messenen Schriftsteller, die sich Philosophen nennen, in dirWelt ausstreuen. Herr! du hast gewollt, daß unsereHerzen dein, und für dich seyn sollen: und deßhalben Wer-den wir in einer beständigen Unruhe schweben, bis wirdas Glück haben werden, in deinem Schooße zu ruhen.Das höchste Gut besteht dann im Besitze Gottes sechsten;die Tilgend allein kann uns zu ihm führen. Ein Wanderer,wenn er gewiß weiß, daß er auf dem Wege ist, der zu seinemEndzwecke führet, schreitet herzhaft und mit Freuden fort.Dieß ist der Zustand des Menschen, der auf dem Wege derTugend zum höchsten Gute wandert. Aber man rede unfernneuen Philosophen von Tugend: so begreifen sie nichts; sieverstehen nichts. Man rede ihnen von Vergnügen, Schwel-gerey, Hochmuthe, Pracht, Reichthume/ von allen Ar-ten der Wohllüste: O! da werden sie alles gut verstehen;dieß ist für sie das höchste Gut. Aber wie lange wird eswähren? wo hinaus wird es abzielen?