Druckschrift 
1 (1777) A - L
Entstehung
Seite
616
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Lis Höchstes Gut.

die schönen Eigenschaften der Seele für wahre Güter gehal,ten; und man hat dieselben jederzeit höher, als die Glücks-güter, geachtet, z. Die Tugend ist eine Pflicht, heißtes: und steht dieses im Wege, daß die Pflicht nicht aucheine Zufriedenheit, und folglich ein wahres Gut für die schö-nen Seelen seyn könne? 4. Die Tugend hat mit denschmerzlichen oder angenehmen Empfindungen nichts zuschaffen. Aber nur unvernünftige Thiere, oder khierischeMenschen können glauben, daß alles Gut und alles Uebel inden Empfindungen bestehe, wir mögen es den Stieren,den Pferden, und allen Gattungen von Thieren Hinse-hen lassen, saget der göttliche Plato, * daß sie der Wohl,lust den ersten Play unter den Gütern einraumen, wieviele Menschen sehen sie auch, nach ihrem Beyspiele, fürdas höchste Gut des Lebens an? >

V.

Der tugendsame Mensch, der mit dem Steine unddem Podagra behaftet, ohne Hülfe, ohne Freunde ist,der seine Nothdurft nicht hat, und von einem wohllüsti-gen Tyrannen, dem es wohl ergeht, verfolget wird,und Ln Fesseln schmachtet, ist sehr unglückselig , und devunverschämte Verfolger, der einer neuen Buhlerinn aufseinem purpurnen Faulbette liebkoset, ist sehr glückselig.

* » *

Dieser Mann kömmt allezeit wieder auf das, was pla,to das höchste Gut der Stiere, der Pferde,-und des Viehesheißt. Er stellet den Tyrannen, den Gottlosen, den Ver-folger der Tugend, in die Reihe der Glückseligen, wenn erin Wohllust versenket ist ; und er heißt den tugendsamen Men,

schm.

* Im Philebus.