Höchstes Gut. «rz
ausmachen können, welches wir suchen, und wofür wir unserschaffen fühlen.
Dreß erkläret und entwickelt uns wieder Cicero mit einerso großen Weisheit und Stärke, die man vergebens in denandern Philosophen suchen würde. Die ungestümen Bewe«Zungen der Leidenschaften , und alle jene starken Triebe,welche durch die Unbedächtlichkeit und den Hochmuth inder Seele erwecket werden, sind der Vernunft allzu sehrzuwider , daß sie sich mit der wahren Glückseligkeit ver-tragen könnten. Fürwahr, soll man jenen glückselig hei-ßen, welchen daß Feuer der wohllust verzehret, entzün-det , und in eine Gattung wuth versetzet ? welcher sichmit einer allezeit unersättlichen Begierlichkeit allem Preisgiebt, wodurch er sich vergnügen zu können glaubet?welcher nach dem Maaße, wie er sich in Wohllüste vonjeder Art voller Innbrunst hincinstürzt, immer einennoch heftigern Durst danach fühlet ? Soll man unter dieZahl der Glückseligen jene Gattung kleiner Männer se-tzen , die von blöder Eitelkeit aufgeblasen und in dieHöhe getrieben sind, die eine leere Freude außer sichbringt? die bezeugen, daß sie mit sich selbsten ganz zu-frieden sind, ohne zu wissen, warum? Jener ist wahr-haft glückselig, der weder von der Furcht geplaget, nochvom Rümmer verzehret, noch vom Feuer der wohllustgepeinigt, noch von einer eiteln Freude außer sich ge-bracht , noch durch die Ergöylichkeiten entmannet ist.
^ Man darf nicht erwarten, so weife Grundsätze, oder eineso reine Sittenlehre in unserm unzüchtigen Philosophen an-zmreffm, wie man es im folgenden Artikel sehen wird.
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