Gottesdienst. 599
welche man der Religion schuldig ist: und er wird unfehl,bar gorresjurchtiger herausgehm, als er Hineingegangen ist.
Dieß ist auch die wahre Ursache, wegen welcher Gottjene außerordentliche Pracht im Gottesdienste gebothen hat,te, den man ihm in seinem Tempel zu Jerusalem leistenmußte. Die Herrlichkeit der Gebäude, das Reichlhum derVerzierungen, die Ordnung im Dienste: alles schien dieMajestät desjenigen, der im Himmel thronet, zu verkündi,gen. Deßhalben haben schon, im ersten Jahrhunderte desFriedens in der Kirche, der große Constamin, die Bischöfe,und die Völker so fteygebig beygerragen, damit alles demGottesdienste ein herrlichere Aussehen geben könnte. Deß,halben hat die Kirche beständig in ihren Tempeln, bey ihrenCeremonien, an ihren Priestern und Altardienern, die grö,ßeste Herrlichkeit, Ordnung, und Anständigkeit gefodert.
Der zweyte Vortheil, den der äußerliche Gottesdienstverschaffet, besteht in der Stärke des Beyspiels. Manthut ohne Mühe, oder mindstens mit leichtrer Mühe, wasman andere thun sieht; denn das Beyspiel ist das wirksam,sie aus allen Mitteln, die man brauchen könnte, um zuüberreden. Wenn man gegen gewisse Uebungen der Reli-gion einen Widerstand fühlet, so spricht das Beyspiel Muchein; wenn man kaltsinnig ist, so muntert das Beyspiel wie,der auf; wenn man, zum Unglücke , so sehr gegen dieseUebungen eingenommen wäre, daß man sie verachtete, sowecket das Beyspiel mächtig das Gewissen auf, welches als,dann nicht unterläßt, Vorwürfe zu machen, und zuverurtheilen. Denn da man sieht, was andere thun,wird man lebhaft genug erinnert, was man selbsten thunkörmte, und was man thun sollte.
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Weil