^82 Glauben.
Wenn einige verworrene Theologen diese Folgerung ver«werfen, soll man auf ihre Meynung nicht viel achten.Man muß allein sie bedauren, daß sie nicht merken, wiesehr sie die göttlichen Vollkommenheiten beschimpfen, undden Freydenkem die Waffen wider die Religion an die Handbiethen.
2. Die Uebung des Glaubens ist allezeit vollkommenwillkührlich: denn, ob ich schon durch die Beweggründeder Glaubwürdigkeit überzeuget bin, daß ich glauben solle;so har doch mein Glauben nicht die Beweggründe der Glaub-würdigkeit , sondern die Lehrsähe, welche mir jene Beweg-gründe der Glaubwürdigkeit vorstellen, zu seinem Gegen-stände. Nun , diese Lehrsähr sind allezeit, in Absicht aufmich, mit Dunkelheit umhüllet; sie stellen die natürlicheNeugierde des menschlichen Verstandes nicht zufrieden. Ichmuß nur dann Gewalt anrhun, um jene Neugierde, undjene Unzufriedetcheil, welche die Dunkelheit der Lehrsätze inmir zurückläßt, zu überwinden: ich muß mir dann Gewaltankhun, um, durch die Unterwerfung meines Verstandesauf Gottes Wort, alles aufzuopfern. Nur, diese siegreicheBezwingung der natürlichen Neugierde des menschlichenVer standes; diese Unterwerfung meines Verstandes auf Got-tes Wort, sind Uebungcn des Willens, sehr willkührlicheUcbungen; und folglich waltet ein wahrer Genuß der Frey,heit in Len Übungen des Glaubens. Es ist dann bewiesen,daß in Religionssachen das Glauben eine ganz willkührlicheSache, im Ursprünge und in den Uebungen, ist; unddaß es augenscheinlich falsch ist, zu sagen, die Religion kön,ns keinen wahren Glauben verlangen.
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