Druckschrift 
1 (1777) A - L
Entstehung
Seite
575
Einzelbild herunterladen
 

Glauben.

575

Wir wollen nach einer Weile von den andern Religio,am reden: hier Hallen wir uns mit dem auf, was die christ,lrche Religion betrifft. In der Eigenschaft, welche der So-phist dem Glauben beymißk, ist nichts als Falschheit. Erbesteht nicht in einer Bewilligung aus Gefälligkeit, in einerEntfernung von allem Streue, in einem Glauben mit demMunde. Dieß möchte für menschliche Lehrsähe wohl

hen; aber für göttliche Lehrsätze wäre dieses nicht anständig.Der Glauben steigt höher empor, weil er das Wort Gottesselbsten zum Grunde hat. Er ist innerlich; er hat eine un,veränderliche und unumstößliche Feste; er ist über alle irdischeMächte, über alle Gefahren , Drohungen, Peine«, überden Tod selbsten erhaben. Also ist der christliche Glaubenbeschaffen.

Anmerkung. Der Glauben, wie der Betrüger wäh,net, genüget sich zu verlangen, baß man nicht streite,daß man die Gefälligkeit habe, sich zufrieden zu geben;das ist: er verlanget keine innerliche Unterwerfung. Undnach der Meynung eben desselben Betrügers, verlanget er,daß man seinen Verstand blindhin unterwerft; das ist:er verlanget die größeste innerliche Unterwerfung, und ver,langet keine innerliche Unterwerfung. Der Widerspruch istfühlbar genug. Es ist erstaunlich, daß dieser Mann, dersich so sehr rühmet, überzeugende Gründe zu bringen, dieohne Widerlegung sind, sich gleichwohl so garstig verstößt.

Das Heydenthum der Griechen und Römer heischets,zu glauben, daß Jupiter, Neptun, und Pluto dis gan,;e Welt unter sich getheilek haben ; daß diese Göttersich durch den Weihrauch und das Blut der erwürgten

VI.

Thiers