Druckschrift 
1 (1777) A - L
Entstehung
Seite
571
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Glauben.

Glauben, heißt durch die Zeugnisse derjenigen erkennen,die gesehen, die an den Begebenheiten Theil gehabt, unddie Zeugschaften und Beweise ausgenommen, untersuchet,geprüftt haben.

Gehen, heißt durch das Hülfsglied des Gesichts erken-nen.

Wissen, heißt durch das Verhälcniß und die Achnlich,keit der Begriffe, die ein Sah beybringt, erkennen.

Es giebt noch sehr viele andere Arten zu erkennen. Manerkennt durch alle Empfindungen: dennoch ist Empfindenund wissen nicht Eines. Ich habe von der Hi he, von derKälte, von der Süßigkeit, von der Bitterkeit, vom Schalle,von den Gerüchen die Empfindung: aber bey alle dem seheich nichts; ich mache keinen Vergleich von Begriffen mitBegriffen; und dennoch bin ich von dem, was ich empfinrde, ganz wohl versichert. Es ist dann außer allem Zweifel,daß es andere Arten, zu erkennen, giebt, als das Sehenund das wissen.

Wo will dann jener große Spruch hinaus: Glaubenheißt nicht Wissen, u. s. f. ?

Glauben, saget der Sophist weiter, setzet eine Unge-wißheit voraus. Dicß ist grundfalsch. Ich glaube,daß es eine Stadt Rom, eine Stadt Constantinopel giebt:ich glaube, daß Clodoväue der Stifter des französischen Rei»ches ist; daß Aarl der Große im Jahre 8o<o. vom PapsteLeo dem Dritten zum Kaiser gekrönet wurde. Ich habeNicht die mindeste Ungewißheit dabey.

Die Ueberzeugung, welche die metaphysischen, ewüSM, und norhwendisen Wahrheiten dem Gemüthe eines

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