542 Gewißheit,
als Wahrscheinlichkeit sey ; und wenn man diese Wahrschein-lichkeit untersuchet, so finde man, daß sie eitel Jrrchumsiy.2. Er will uns gleicher Weise bereden, daß es keine andereGewißheit gebe, als jene, die man metaphysisch ober geo,metrisch heißt. Denn eine physische Gewißheit will er ebenso wenig, als eine sittliche erkennen, weil, nach seinem Sin-ne , der Schöpfer niemals das Recht, oder die Macht hat,die Gesetze, die er ftey verordnet hat, ;u unterbrechen odereinzuhalten. Man darf seiner Achtsamkeit wenig Zwanganchun, uin der ganzen Ungereimtheit dieser Lehre wahrzu,nehmen. Denn wenn alle sittliche Gewißheit nichts andersals Wahrscheinlichkeit ist , welche nach genauer Untersu-chung für eitel Jrrkhum befunden wird, so folget daraus:
i. Daß nichts gewiß ist in allen Beweisen, die man vonpolitischen, bürgerlichen, und geistlichen Errichtungen undVerordnungen, welche für die Gesellschaft höchst wichtig,nothwendig, und nützlich sind, angeben kann; daß nichts ge-wiß ist in allen Ansprüchen, worauf die Rechte der Lands-Herren, Fürsten, und Oberteilen gegründet sind; daß nichtsglaubwürdig ist in den Gesetzen , welche man von dem ehr-würdigsten und bestgegründeten Ansehen herleitet: denn weilall dieses nur durch die Zeugschaft der Menschen bewiesen ist,so kann in allen diesen Stücken nichts als Wahrscheinlich-keit Platz haben; und die Wahrscheinlichkeit, wenn man siegenau untersuchet , wird eitel Jrrkhum. So kann man al,les anfechten, alles streitig machen, alles in den Zweifel zie,hen. Dreß sind wahrhaftig unvergleichliche Grundsätze, umdie Ordnung in der Gesellschaft, und die Ehrerbierhung undden Gehorsam gegen die geistlichen und weltlichen Machte zuerhalten. Es folget daraus:
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