540 Gewißheit.
ist nicht also beschaffen, wie sie durch den Vortrag angege,ben wird; und zwischen dem Seyn oder Nichrseyn kann eskein Mittelding geben. Die gleiche Beschaffenheit hat esmit der Gewißheit aus der Erfahrung. Die physische Ge-wißheit kann nur durch die Wunder fehlerhaft werden; dasist, durch eine Unterbrechung der Gesetze der Natur, wel-che durch einen außerordentlichen Willensschluß des SchöpfersVerursacher wird. Aber die sittliche Gewißheit ist eines Zu-satzes und einer Vermindrung fähig; sie muß verschiedeneStufen haben; sie kann auf das Gemüth einen schwächer»oder starkem Eindruck machen, je nachdem sie mehr oderweniger von jeneu Gründen, Beweisen, Bewegursachen,Kennzeichen zusammenbringt, die wir eben angeführet ha,ben.
Man kann sie mit dem Tageslichte vergleichen. Dieersten Stralcn der Morgenröthe machen uns Anfangs dieGegenstände sichtbar. Je nachdem das Licht zunimmt, ent,decket es uns beständig mehr und mehr. Endlich am HellenTage haben wir eine vollkommene Kenntniß davon. Nurdie Blinden, jene, die freywillig die Augen schlössen, undjene, die sehr gebrechliche, odersehr ungesunde Augen hät-ten, würden alsdann der Gegenstände nicht wahrnehmen,oder keine sichere und vollkommene Kenntniß davon erlqn,gen.
Nichts ist leichter, als von dem, was wir hier sagen,die Anwendung zu machen, oder Leute zu finden , auf dieman sie machen könnte.
Wir haben gesagt, daß die sittliche Gewißheit aufdasHöchste gebracht wäre, und die gleiche Stärke, wie die geormetrischen Erweisungen , haben würde, wenn sie auf diesedrey Gründe gebquet wäre r auf unyerwerfliche Zeugen, auf
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