si4 Geheimnisse.
Sie sehen dieses für die unbilligste Beleidigung an, welcheman den Rechten der Vernunft zufügen könnte: sie behaup,ten, daß es schmachvoll für Gott, und schimpflich für denMenschen sey, von ihm zu begehren, daß er glauben solle,was er nicht fasset; daß die Vernunft, da sie uns von Got-le zukömmt, das himmlische und göttliche Licht sey, welchesuns in den Stand setzet, alles zu erkennen, zu beurteilen,zu entscheiden, und daß ihrer Einsicht nichts entgehenkönne.
Auf alle diese großen Worte, auf all diesen hochmüthi,gen Wörterkram, wollen wir nur folgende einfache und bkscheidene Antwort geben, nämlich: Die Natur sechsten istvoller Geheimnisse für den Menschen. Die Vernunft, wennsie lauter, gesund, und frey von Leidenschaften ist, erken-net ohne Mühe die Schwachheit, und das Unvermögen ih-rer Einsichten und ihrer Kenntnisse, in allen jenen Geheimnis-sen , welche die Natur ihr anbeut; folglich soll sie nochminder Beschwerniß fühlen, ihre Schwachheit und ihr Un-vermögen bey den Geheimnissen zu erkennen, welche ihr dieReligion porträgt: und wenn Man jene unter die Zahl derWahnsinnigen setzen soll, welche die Nothwendigkeit, Ge-heimnisse in der Natur zu erkennen, für eine Beleidigung wi-der die Vernunft ansehen würden; so darf man mit weitbesserm Grunde jene darunter rechnen, die behaupten wollten,daß durch die Schuldigkeit, an die Geheimnisse der Reli-gion zu glauben, die Rechte der Vernunft angegriffen wä-ren. Allein, daß der Mensch das Unvermögen seiner Ein-sichten und seine Unwissenheit in den Geheimnissen der Na-tur erkennen müsse, ist eine Sache, die zum augenscheinlich-sten und zum besten bewiesen ist.
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